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Flirrender Kostümfilm

„Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“: Ein glorreicher Halunke

Detlev Bucks Verfilmung des Schelmenromans von Thomas Mann glänzt mit prächtiger Ausstattung und spielfreudigen Schauspielern als flirrender Kostümfilm, in dem es um um Schein und Sein und Geld und Liebe geht.

Von Hans Gerhold

Felix Krull (Jannis Niewöhner, l.) täuscht als charmanter Halunke nicht nur den eleganten Kuckuck ( Foto:

In Rollen schlüpfen, aus der Rolle fallen, das Jonglieren mit Schein und Sein und die charmante Art der Hochstapelei sind Triebfedern des letzten Romans von Thomas Mann aus dem Jahr 1954. All diese Themen sind wie geschaffen fürs Kino und aktuell wie eh und je. Nach Kurt Hoffmanns Kinoversion von 1957 mit Horst Buchholz und Bernhard Sinkels TV-Serie von 1982 mit John Moulder-Brown liegt die neue Kinoversion von Detlev Buck auf dieser Linie: Sein Werk ist ein flirrender Kostümfilm mit prächtiger Ausstattung, guter Kameraarbeit und spielfreudigen Schauspielern.

Hauptdarsteller Jannis Niewöhner fügt der galanten Gaunerei um Liebe, Geld und kriminelle Energie, die Hotte Buchholz pflegte, die moderne, coole Variante hinzu, wenn er die Frauen als pfiffiger Bel Ami des fin de siecle reihenweise verführt und manipuliert. Klar für einen verarmten Fabrikantensohn, der einen üppigen Lebensstil als gegeben sieht und als Hotelpage in einem Pariser Nobelhotel anfängt. Sein Meisterstück liefert der agile, sympathische Menschenverwirrer, wenn er in Portugal mit dem Marquis de Venosta (David Kross) die Identität tauscht.

Gegen Kross, der als lustvoll werbender Marquis um Zaza (lasziv kalkulierend als Prostituierte: Liv Lisa Fries) ebenso für die Krull-Rolle geeignet gewesen wäre, bleibt Niewöhner in seiner Eckigkeit etwas zurück, was nicht schadet, schließlich geht es um das Kalkül von Geld und Liebe. Dagegen sind die Frauenrollen schwächer: Maria Furtwängler als Nobeldame Madame Houp-flé wirkt steif, Désirée Nosbusch und Annette Frier hinterlassen keinen bleibenden Eindruck wie bei den Vorgängerinnen Liselotte Pulver, Susi Nicoletti und Magali Noel.

Bei den Männern ist Joachim Król kein Ersatz für Paul Dahlke und den berühmten Kuckuck-Monolog. Was zur Sprache führt. Thomas Manns umständlich verästelte Sätze sind teils übernommen, teils verkürzt und verändert worden (Buch: Daniel Kehlmann), was für die insgesamt leichtfüßig aufspielenden Schauspieler ein Gewinn ist. Doch Krull ist vor allem eins: ein im Grunde dunkler Täuscher, ein glorreicher Halunke.

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