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„Old“: Mystery-Thriller lässt Urlauber rapide altern

Frühvergreisung am Traumstrand

Ein paradiesischer Strand, an dem alle Urlauber im Zeitraffer altern – eine nette Mystery-Idee, wie geschaffen für M. Night Shyamalan, den früh gehypten, dann verspotteten Spezi für Thriller mit Twist. Auch hier gibt’s em Ende wieder eine Enthüllung, die den Plot über den Haufen wirft.

Gian-Philip Andreas

Guy (Gael García Bernal) umarmt seine Tochter Maddox (Tomasin McKenzie), die gerade eine Leiche gefunden hat. Foto: imago

Die Karriere von M. Night Shyamalan zählt zu den kuriosesten in Hollywood: Erst gefeiert und oscarnominiert für seinen Ausnahmethriller „Sixth Sense“, später dann war es gerade für die US-Kritik ein sportliches Vergnügen, möglichst heftig auf seine Mystery-Spektakel draufzuschlagen. Mit „Split“ und „Glass“ schien der in Indien geborene, in den USA aufgewachsene Filmemacher zuletzt zumindest kommerziell wieder halbwegs auf dem Damm angekommen zu sein. In „Old“ verfällt er nun teilweise in alte Muster zurück. Wieder wird über anderthalb Stunden ein großes Mysterium konstruiert und in teils beeindruckende Bilder gekleidet – bis kurz vor Schluss ein bemüht wirkender Twist vieles von dem wieder einreißt, was sich zuvor in den Köpfen des Publikums zusammensetzte. Ein Wow-Effekt tritt ein, der aber schnell verpufft.

Erzählt wird von einem karibischen Ferienresort, dessen unberührten Traumstrand der Manager des Hotelkomplexes nur wenigen Urlaubern unter der Hand als Geheimtipp empfiehlt. Das zerstrittene Ehepaar Guy (Gael Garcia Bernal aus „Mozart in the Jungle“) und Prisca (Vicky Krieps, „Der seidene Faden“) mit Kindern zählen dazu, der psychisch auffällige Chirurg Charles (Rufus Sewell, „Dark City“) mit junger Frau und Tochter, ein weiteres Ehepaar sowie ein Rapper samt Gespielin. Als der erste Feriengast tot ist, beginnt der Albtraum: Langsam bemerken die Strandbesucher, dass sie wie im Zeitraffer altern. Die Kinder pubertieren, werden erwachsen, die Erwachsenen so schnell von Falten und Grauhaar überfallen, dass keine Hyaluron-Creme und kein Lichtschutzfaktor mehr hinterherkommt. Und: Sie alle können den Strand nicht mehr verlassen.

Dieser auf einer Schweizer Graphic Novel basierende Mix aus „Geschlossene Gesellschaft“ und der Serie „Lost“ baut ordentlich Spannung auf, spielt reizvoll mit der Horrorvorstellung verschwendeter Lebenszeit, quält aber auch mit gnadenlos hölzernen Dialogen. Das Finale soll dann überraschen, wirkt aber vor allem gezwungen. Shyamalan läuft alten Großtaten also erneut vergeblich hinterher.

                       

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