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160 Seiten

Nachts im Museum mit Leila Slimani

Frankfurt/Main (dpa)

Die Autorin Leila Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs, ihre Romane sind internationale Bestseller. Nun hat sie ein neues Buch geschrieben - mit ungewöhnlicher Ausgangslage.

Von dpa

Das neue Büchlein der französisch-marokkanischen Autorin Leila Slimani erscheint bei Luchterhand. Foto: Christophe Gateau/dpa

Als Film war «Nachts im Museum» ein Erfolg. «Der Duft der Blumen bei Nacht» der Bestseller-Autorin Leila Slimani hat dasselbe Setting, besonders viel Spannung kommt hier aber nicht auf.

Die in Marokko geborene französische Autorin («Dann schlaf auch du», «All das zu verlieren») verbrachte auf Vorschlag einer Lektorin eine Nacht alleine in einem Museum für moderne Kunst in Venedig und sollte danach darüber schreiben.

Der Text, der dabei entstand, trägt zu Recht nicht den Titel Roman. Es handelt sich bei dem 160 Seiten schmalen Büchlein eher um einen mit vielen Zitaten durchwebten Essay. «Warum habe ich eingewilligt, diesen Text zu schreiben, während ich doch zutiefst davon überzeugt bin, dass das Schreiben einer Notwendigkeit folgen muss, einer persönlichen Obsession, einem inneren Drang», fragt sie sich selbst. Die Antwort bleibt das Buch leider schuldig.

Zwiesprache mit der Kunst

Anfangs - noch in Paris - geht es seitenlang um die Sehnsucht aller Schriftsteller nach Abgeschiedenheit. Dann trifft Slimani in Venedig ein und schildert ihre - eher banalen - Eindrücke von der Stadt. Als endlich die nächtliche Zwiesprache mit den Kunstwerken beginnt, erschöpft sich das Anregungspotenzial der Kunst größtenteils im Auslösen biografischer Erinnerungen.

Eine Installation, in der Nachtjasmin in verdunkelten Terrarien blüht, führt in ihre marokkanische Heimat. Es ist «das Aroma der Freiheit», der Duft, der die junge Leila begleitete, als sie nachts heimlich um die Häuser von Rabat zog. Man erfährt viel über ihre Vergangenheit in diesem Buch: Wie der Vater in einen Finanz- und Politikskandal geriet. Wie sie vom «Heimtier» zur Feministin wurde. Wie sich die Emigration nach Paris auf ihre Identität auswirkte.

Lohnend ist das «meinem Freund Salman Rushdie» gewidmete Buch daher vor allem, um die Schriftstellerin und ihre Bücher besser zu verstehen.

- Leila Slimani: Der Duft der Blumen der Nacht. Aus dem Französischen von Amelie Thoma, Luchterhand, 160 Seiten, 20 Euro, ISBN: 978-3-630-87687-0

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