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Schriftsteller

Sten Nadolny: Bin gnadenlos mit meinen Romanfiguren

Berlin (dpa)

Der 79-Jährige würde gern noch lange leben. Seinen Figuren vergönnt er das nicht. «Bei mir sind am Ende eines Romans regelmäßig Leute tot», sagt er.

Von dpa

Sten Nadolny: «Bei mir sind am Ende eines Romans regelmäßig Leute tot.» Foto: Christophe Gateau/dpa

Der Schriftsteller Sten Nadolny hat kein Mitleid mit den von ihm selbst erschaffenen Figuren. «Bei mir sind am Ende eines Romans regelmäßig Leute tot», sagte der Autor der Deutschen Presse-Agentur in Berlin kurz vor seinem 80. Geburtstag (am 29. Juli). «Ich erzähle gern ein Leben zu Ende», so Nadolny.

Er hat es nach eigenen Angaben auch nicht bereut, dass die Hauptfigur seines Erfolgsromans «Die Entdeckung der Langsamkeit», der bei einer Expedition gestorbene britische Polarforscher John Franklin (1786-1847), für eine Fortsetzung nicht zur Verfügung gestanden hätte. «Also der Gedanke an eine Fortsetzung, der kommt mir eher in der Realität, dass ich ganz gerne länger leben würde. Aber meine Romanfiguren, mit denen bin ich gnadenlos. Da muss es stimmen», sagte der Autor.

Hauptfigur mit 14 entdeckt

Die Vorlage für seine Romanfigur entdeckte Nadolny «mit 14 im Meyers Konversationslexikon». So habe er «ein Buch geschrieben über meinen Lieblingshelden in der Historie». Er haben «seinen Freund» interessant machen wollen und dafür mit Bedeutung und Eigenschaften ausgestattet. «In der Wirklichkeit war er nicht so langsam, der war gründlich, ein genauer Rechner, der war alles Mögliche, was man unbedingt sein sollte. Das nun langsam zu nennen, war meine Idee, die sich als ein absoluter Glücksfall erwiesen hat.»

Mit einem Kapitel aus «Die Entdeckung der Langsamkeit» gewann Nadolny 1980 den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis. Der drei Jahre später erschienene Roman ist nach Verlagsangaben inzwischen allein im deutschsprachigen Raum rund 1,8 Millionen Mal verkauft und zudem in 30 Sprachen übersetzt worden.

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