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Martin Walkers „Französisches Roulette“ ist erstklassige Unterhaltung

Wiedersehen mit alten Freunden im Périgord

Ein zwielichtiger russischer Oligarch, ein luxuriöses Altenheim, ein alternder Rockmusiker, betrügerische Versicherungen, ein überraschender Todesfall – andere Autoren würden aus dem Stoff einen harten, nervenzerreißenden Thriller machen. Martin Walker hat einen anderen, liebevolleren Blick: Er schafft aus dem Stoff ein ebenso spannendes wie entspannendes Porträt eines französischen Dorfes, seiner Menschen, ihres Zusammenlebens, ihrer Freund- und Leidenschaften. Und das ist ganz prima so.

Martin Ellerich

Der Autor Martin Walker auf seinem Anwesen in Le Bugue sur Vézère auf der Terrasse, auf der er gerne mit Freunden schlemmt – so wie sein Polizist „Bruno“. Foto: Martin Ellerich

Denn: Kann es etwas Schöneres geben in einer Pandemie, in der das Reisen meist nur in Gedanken möglich ist, als einen kleinen Ausflug ins Tal der Vézère zu unternehmen, in das Saint-Denis des Dorfpolizisten Bruno? In jenes Paradies, in dem das Böse immer nur von außen kommt?

Wenn Martin Walker ausführlich die Köstlichkeiten und Festessen der Freunde rund um Bruno schildert, wer möchte da nicht seinen Stuhl an den Tisch stellen und mitschlemmen, mitreden und mitlachen? Wer Walker liest, der fühlt sich dazu eingeladen – und auch gleich dazu, sich hinabzubeugen und den Basset Hound Balzac zu kraulen. So zu schreiben, ist keine geringe Leistung. Walkers Bruno-Geschichten zu lesen, ist auch im 13. Fall wie ein Wiedersehen mit alten Freunden: Allzu große Überraschungen würden dabei eher die Stimmung zerstören. So aber können Walker-Freunde die Vorfreude darauf genießen, dass sie das Périgord bald wieder besuchen und in Le Bugue, dem Vorbild von Saint-Denis, nach Spuren des Paradieses suchen können. Allerbeste Unterhaltung.

Das Buch

Martin Walker: Französisches Roulette. Der dreizehnte Fall für Bruno, Chef de Police. Diogenes 2021. 392 Seiten, 24 Euro

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