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Die Elbphilharmonie feiert ihren fünften Geburtstag

Eine erstaunliche Erfolgsgeschichte

Hamburg/Münster

Am Anfang vor 20 Jahren stand ein kühner Plan. Nach zehn Jahren drohte das Projekt als Bauruine zu scheitern. Heute feiert die Elbphilharmonie ihr fünfjähriges Bestehen. Der Kulturtempel, der zehnmal so viel kostete wie ursprünglich mal politisch geplant, ist heute ein Magnet. Für Stars und Orchester – und erst recht für Musikfreunde und Kultur-Touristen.

Von Johannes Loyund Carola Große Wilde

Von außen und innen präsentiert sich die Elbphilharmonie als architektonisches Juwel.

Sie gilt als einer der spektakulärsten Kulturbauten der Welt. Seit fünf Jahren strahlt die Elbphilharmonie wie ein Kristall über dem Hamburger Hafen und ist als kulturelles Wahrzeichen der Hansestadt nicht mehr wegzudenken. Der fünfte Geburtstag am heutigen Dienstag soll mit einem neuntägigen Festival und einem neuen Licht-Kunstwerk im April gefeiert werden.

Doch Corona zwingt zum Umdisponieren. So fällt das monumentale Werk „Arche“ von Jörg Widmann mit 300 Mitwirkenden aus. Stattdessen präsentieren Kent Nagano und das Philharmonische Staatsorchester ein alternatives Programm. Außerdem kommen viele hochkarätige Gäste: Sir Simon Rattle, Daniel Barenboim, Jordi Savall, Charles Lloyd und John Scofield.

Ein Blick zurück: Für die 2100 Ehrengäste des stilvollen Eröffnungsabends zwischen prächtiger musikalischer Klangentfaltung und hanseatischem Understatement gab es an jenem trüben Winterabend, dem 11. Januar 2017, gegen viertel vor elf Uhr kaum Zweifel an der einzigartigen Klasse der Elbphilharmonie, dem „Kristall“ im Hamburger Hafen: Als Beethovens „Ode an die Freude“ final verklungen war, brandete der Applaus auf, riss es die Zuschauer von den Sitzen. Diese waren schon zu Beginn des Abends aufgestanden, als Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel gegen 19 Uhr in den Saal kamen. Eine halbe Stunde zu spät, aber immer noch zeitig genug, dass der Abend mit seiner durch die NDR-Liveübertragung vorgegebenen Taktung ruckelfrei über die Bühne gehen konnte.

Fünf Jahr später hat sich vielleicht der Zauber des Anfangs etwas gelegt, doch die Anziehungskraft des Musentempels ist ungebrochen. Wäre Corona nicht, spräche man vermutlich jedes Jahr über neue Rekorde.

„Die Elbphilharmonie ist gebaute Musik, die nicht nur die Vielfalt der weiten Welt der Musik widerspiegelt, sondern ein Gesamtkunstwerk mit Botschafterfunktion ist“, sagt Prof. Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates. Bis zum Corona-Stillstand im März 2020 haben bereits 2,7 Millionen Konzertbesucher knapp 2500 Konzerte in beiden Sälen der Elbphilharmonie erlebt. Mit 1,2 Millionen Besuchern pro Jahr in Elbphilharmonie und Laeisz­halle hat sich das Konzertpublikum in Hamburg nahezu verdreifacht. Die Plaza, die Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe, erwartet im März bereits ihren 15. Millionsten Besucher.

„Die Kernaufgabe der Elbphilharmonie – Erweiterung des Publikums für klassische Musik – ist absolut erfüllt“, sagte Intendant Christoph Lieben-Seutter. Für Kent Nagano, Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters, ist die Elbphilharmonie „eine absolute Erfolgsgeschichte“. „Ein Konzerthaus muss natürlich gut klingen, aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Genauso wichtig ist, dass ein Konzerthaus ein Treffpunkt für die Gesellschaft ist. Und das hat die Elbphilharmonie erreicht. Sie hat Hamburg zu einer neuen kulturellen Identität verholfen. Auch international. Auch meine Mutter in Kalifornien sagt: Ich liebe die Elbphilharmonie“, sagte Nagano.

In jeder Hinsicht ein Kultur-Juwel – die Elbphilharmonie in Hamburg Foto: Hamburg Marketing GmbH

Kommentar: Das Wagnis hat sich gelohnt

Dabei war der Bau der Elbphilharmonie alles andere als eine Erfolgsgeschichte: Die Bauzeit verlängerte sich von drei auf zehn Jahre, die Kosten stiegen von 77 Millionen auf 789 Millionen Euro. Doch schon kurz nach der Eröffnung entwickelte sich das allseits beklagte Millionengrab zum gefeierten Wahrzeichen. Hamburger und Touristen sind fasziniert von der „gläsernen Welle“ der Architekten Herzog & de Meuron und genießen auf der Aussichtsplattform in 37 Metern Höhe den Blick über den Hamburger Hafen. Sie strömen zu den Konzerten im kleinen wie im großen Saal, wo sich Klassikstars die Klinke in die Hand geben.

Der Saal der Elbphilharmonie sollte einer der zehn besten Konzertsäle der Welt werden – und für viele Fachleute und Besucher ist er das auch. „Ich liebe den Saal. Er ist sehr, sehr ehrlich. Man hört alles. Das ist auch eine große Herausforderung, man muss wirklich gut spielen. Der Saal ist wie ein Instrument, das wir spielen“, sagt Kent Nagano. Sein Kollege Alan Gilbert, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters, ergänzt: „Die größte Herausforderung für mich ist natürlich ganz konkret, herausragende Konzerte zu geben. Die Akustik der Halle kommt nahezu jeder Art von Musik entgegen, wenn man damit umzugehen weiß.“

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