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TV-Tipp

Berührendes Drama: «Eine riskante Entscheidung»

Berlin (dpa)

Kinderdemenz ist eine eher unbekannte, zum Glück seltene, aber bislang unheilbare Krankheit. Vom Schicksal der Familie eines kleinen Mädchens erzählt ein Film nach einer wahren Geschichte.

Von Klaus Braeuer, dpa

Emily (Jasmin Kraze) verlässt mit ihren Eltern Michael (Christian Erdmann) und Nicole Wagner (Annika Blendl) die Klinik. Foto: Volker Roloff/ZDF/dpa

Eben hat Emily noch am Strand getanzt. Da bricht sie plötzlich zusammen mit Schaum vor dem Mund. Die Ärzte finden heraus: Die Neunjährige (Jasmin Kraze) leidet unter Kinderdemenz.

Bei dieser Erkrankung - Fachbegriff: juvenile NCL-CLN3 - sind bislang lediglich die Symptome wie das allmähliche Erblinden und der Gedächtnisverlust behandelbar. Und so versuchen Emilys Eltern Michael (Christian Erdmann) und Nicole Wagner (Annika Blendl) ständig, neue Behandlungsmöglichkeiten oder Medikamente für ihr Kind ausfindig zu machen.

Davon erzählt das Drama «Eine riskante Entscheidung» an diesem Montag ab 20.15 Uhr im ZDF. Die Eltern stoßen auf ein kleines Berliner Pharmaunternehmen, das bald an die Börse will und an einem Heilmittel forscht. Es wurde in Asien an Menschen getestet und soll den Verlauf der Krankheit verlangsamen, wenn nicht sogar stoppen.

Von der neuen, kinderlosen Firmenchefin Dr. Julia Schemmel (Lisa Maria Potthoff) verlangt Herr Wagner (der alsbald seinen Job verliert) die Durchführung einer Studie für deutsche Kinder und später die Herausgabe des noch nicht marktreifen Medikaments, was in besonderen Härtefällen («Anwendung aus Mitgefühl») möglich ist.

Die Stimmung heizt sich auf

Von unerforschten Nebenwirkungen wollen die Eltern nichts hören, vielmehr zetteln sie - vor allem mit Hilfe von gestellten Szenen im Internet - einen beachtlichen öffentlichen Aufstand an. Und sie schrecken vor persönlichen Angriffen auf Schemmel und ihren Mann Felix (Torben Liebrecht) nicht zurück. Interessengruppen bis hin zur Kirche schalten sich ein und kochen allesamt ihr eigenes Süppchen.

Regisseur Elmar Fischer (53, «Unsere wunderbaren Jahre») fängt die zunehmend aufgeheizte Stimmung mit teils drastischen Bildern ein. Er schildert ein moralisches und ethisches Dilemma, das sämtliche erwachsenen Hauptfiguren gleichermaßen erfasst. Die Grenzen zwischen klassischem «Gut» und «Böse» verwischen zunehmend.

Jörg Tensing hat ein berührendes und vielschichtiges Drehbuch geschrieben, das sich an wahren Begebenheiten orientiert und das Schicksal der Familie Wagner mit dem bislang unerfüllten Kinderwunsch der Firmenchefin verknüpft. Der Film zeigt, wie schnell Emotionen hochkochen und wieder nachlassen, wie weit falsche Informationen die Runde machen und was für ein unfassbarer Druck aufgebaut wird.

Lisa Maria Potthoff (43, «Sarah Kohr», «Der Usedom-Krimi») gibt mit feinem Spiel keine eiskalte Chefin, die nur an die Gewinne ihrer Firma denkt, sondern zeigt erstaunlich viel Herz. Ihren Gegenpart gibt Christian Erdmann (47, «Ostfriesland-Krimis», «Nächste Ausfahrt Glück»), als ebenso verzweifelter wie eloquenter Vater.

Starke Emotionen

Im Interview der Nachrichtenagentur dpa sagt Erdmann: «Das erste Lesen des Drehbuches und auch die Beschäftigung mit dem Thema in der Vorbereitung hat mich sehr berührt. Die Vorstellung, dass die Geschichte nach einer wahren Begebenheit erzählt wird, einer Geschichte also, die so passiert ist und sich bestimmt auch so wiederholt - das war und ist nur schwer auszuhalten.»

Was angesichts des Themas kein Wunder ist, denn wenn zu früh Medikamente freigegeben werden, um einzelnen Menschen zu helfen, wird nicht nur eine laufende Studie gefährdet, sondern möglicherweise auch das Leben anderer Kinder, die erst später davon profitiert hätten. Diese schwere, menschlich zutiefst verständliche Entscheidung stellt - bis zur letzten Konsequenz - einen schmalen Grat dar.

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