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Polizeiruf 110

Claudia Michelsen: «Ich bin eindeutig ein Bauchmensch»

Claudia Michelsen spielt wieder Doreen Brasch. Im aktuellen «Polizeiruf 110» aus Magdeburg folgt die gar nicht mehr kantige Hauptkommissarin ihrer Intuition. Ganz so, wie es die Schauspielerin tun würde.

dpa

Claudia Michelsen sucht die Balance zwischen Bauch und Kopf. Foto: Jens Kalaene

Magdeburg (dpa) - Claudia Michelsen (51) ist am 27. Dezember im ARD-«Polizeiruf 110» aus Magdeburg zu sehen. Im neuen Fall «Der Verurteilte» bekommt es Hauptkommissarin Doreen Brasch (Michelsen) mit einem bizarren Pärchen zu tun und gerät selbst in Lebensgefahr.

TV-Ermittlerin Brasch ermittelt hochmotiviert und lässt sich von ihrer Intuition leiten. «Ich bin eindeutig auch ein Bauchmensch», sagt Michelsen im Interview der Deutschen Presse-Agentur dazu.

Frage: Sind sie eher der Bauch- oder der Kopfmensch?

Antwort: Ich bin eindeutig ein Bauchmensch, aber immer am «üben», auch den Kopf mehr einzubeziehen, um eine gesunde Balance halten zu können.

Frage: Die Story von «Der Verurteilte» ist sehr emotional, man bleibt als Zuschauer stark aufgewühlt zurück. Wie haben Sie die Dreharbeiten unter der Regie von Brigitte Maria Bertele empfunden? Sie arbeiteten ja schon bei «Grenzgang» (2013) mit ihr zusammen?

Antwort: Brigitte ist ganz wunderbar, wie sie sich in ihrer leisen Art mit Respekt und Neugier den Figuren nähert. Mein Vertrauen zu ihr ist groß, da sie sehr «geschmackssicher» in meinem Sinne ist. Was für ein Wort. Entschuldigung, aber das trifft es für mich im Moment am besten. Dazu kam natürlich, das wir das riesige Glück hatten, dass Jan Braren das Buch geschrieben hat. Ein Geschenk. Eine Brasch, die in Bewegung ist, die handeln darf, die auch schnell im Kopf ist. Herrlich war das. Naja und dann natürlich Laura Tonke und Sascha Geršak. Bonnie und Clyde. Was für großartige Kollegen. Es war ein Fest, ein großer Spaß in der Zusammenarbeit.

Frage: Die im September ausgestrahlte Folge «Tod einer Toten» erzielte die bisher beste Reichweite aller Magdeburger Polizeiruf-Folgen. Macht einem das Druck oder schaut man am Ende nicht (mehr) auf die Zahlen?

Antwort: Ach, die Zahlen. Mit den Zahlen ist das so eine Sache. Eigentlich möchte man sich damit nicht beschäftigen, aber es gelangt dann doch zu einem, weil sich eben auch immer noch viele ausschließlich daran orientieren. Was soll ich sagen, wenn das denn wirklich stimmt mit diesen Zahlen, dann freue ich mich natürlich sehr darüber, wenn die Menschen einschalten und dranbleiben.

Frage: Sie haben gerade mit Corinna Harfouch und Angela Winkler die Komödie «Unverblümt» gedreht, in der Sie eine Schaufensterdekorateurin in der Midlife-Crisis spielen. Ist es gut, ab und an mal ins Humorvolle zu wechseln?

Antwort: Ja, das war herrlich. Kerstin Polte, die Regisseurin, ist aber auch eine wunderbare Partnerin für mich, was die Bucharbeit im Vorfeld betraf und dann natürlich auch am Set. Und auch hier sind wir wieder beim Buch. Wenn alles stimmt, Humor und Pointen, dann ist es eine reine Freude. Und auch die Besetzung des gesamten Ensembles war bis in jede Figur ganz großartig. Tatsächlich auch ein Glücksfall, für den ich dankbar bin in diesem Jahr.

Frage: Ein zweifellos besonderes Jahr geht zu Ende. Wie lauten Ihr Fazit und Ihr größter Wunsch für 2021?

Antwort: Oh, die Wunschliste ist sehr lang für 2021. Ich hoffe, dass die Menschen weltweit so gut wie möglich durch diese enorme Herausforderung kommen und dass vor allem auch die Politik allerorts aufwacht und endlich in überlegtes, positives und nicht nur wirtschaftsorientiertes Handeln kommt. Krisen bringen Mängel ans Licht, und zwar massiv.

Für Deutschland wünsche ich mir, dass endlich, endlich mehr für die Grundrechte unserer Kinder getan wird. Jedes vierte Kind lebt in einem Hartz-IV-Haushalt, und das bedeutet Ausgrenzung. Hartz IV war die schlimmste Erfindung der letzten 20 Jahre. Auch der Steuersatz für Alleinerziehende und die Systemrelevanz der Kulturschaffenden sind wichtige Themen.

Frage: Wo feiern Sie Weihnachten und wie?

Antwort: Wir feiern Weihnachten wie jedes Jahr bei meiner Mutter, also in Dresden. Natürlich mit den entsprechenden Tests und Quarantäne im Vorfeld. Am 24. vormittags treffen wir uns immer mit dem Freundeskreis der Arche und den Mitarbeitern in der Meißner Arche und teilen uns auf, um Familien mit großen Essenspaketen und kleinen Geschenken für die Arche-Kinder zu versorgen. Wir sind praktisch die Arche-Weihnachtsmänner. Das findet in fast allen Archen statt und im Moment natürlich vermehrt, da die Kinder die Archen nicht besuchen können und viele Familien einfach gar nicht mehr wissen, wovon sie Nahrung kaufen sollen, geschweige denn Geschenke für ihre Kinder. Mindestens ein Mitarbeiter jeder Arche ist 24 Stunden erreichbar für die Familien und die Kinder. Ich hoffe, die Jugendämter tun das Gleiche, um Verbindung zu halten, wo auch immer es notwendig ist. Wir leben in einem Land, wo Kinderarmut ein Thema ist. Man sagt, unsere Kinder brauchen sechs Generationen, um da wieder rauswachsen zu können. In Dänemark sind es zwei und in Spanien drei Generationen. Wie kann das sein?

ZUR PERSON: Die Film- und Theaterschauspielerin Claudia Michelsen wurde 1969 in Dresden geboren. Ihre Ausbildung absolviert sie an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Sie gilt als wandelbare, vielseitige Schauspielerin für Charakterrollen. Für ihre Rolle in der Fernsehserie «Der Turm» (2012, Regie: Christian Schwochow) erhielt sie mehrere Preise, darunter auch den Grimme-Preis. 2013 ermittelte Michelsen erstmals im «Polizeiruf 110» aus Magdeburg. Erst mit Sylvester Groth, dann mit Matthias Matschke.

© dpa-infocom, dpa:201223-99-793332/4

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