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TV-Tipp

Ein deutsches «Spitting Image»: Von Schlumpf Scholz bis Klum

London/Köln (dpa)

Die «Spitting Image»-Puppen aus England erobern Deutschland. Bei der neuen Sky-Satireshow sucht Heidi Klum Deutschlands nächsten Top-Politiker. Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet sind dabei.

Von Gregor Tholl, dpa

Heidi Klum als Promi-Puppe. Foto: Mark Harrison/Sky Deutschland/dpa

Die Stimme der Gummi-Heidi-Klum ist piepsig und schrill, als sie in ihrer Show «Germany's Next Top-Politiker» unter anderem Armin Laschet und Markus Söder coacht.

Beim Catwalk-Lauf ermahnt sie den kichernden Latex-Laschet mit «Nicht so lasch-et» und wundert sich über den Gummi-Söder: «Warum läuft der Söder denn die ganze Zeit Zick-Zack?» Später fragt sich Klum dann angesichts der Kanzlerkandidaten: «Zwei weiße alte Männer und eine weiße privilegierte Frau - mir fehlt der Pepp, wo ist die Diversity und die Personality? (...) Hier muss mal ein bisschen Farbe rein.» Bis schließlich Olaf Scholz vor ihr steht. Knallblau. Als Schlumpf.

Am Donnerstag (16.9., 20.15 Uhr auf Sky Comedy) startet «Spitting Image: The Krauts' Edition». «Spitting Image» bedeutet soviel wie «Ebenbild», Krauts ist ein britisches Klischeewort für Deutsche.

Geplant sind donnerstags neun Episoden von je circa 20 Minuten sowie ein Best-of. Erstmals arbeite ein anderes Land mit den echten «Spitting Image»-Machern in Großbritannien zusammen, es handle sich also um die «erste internationale Version des Comedy-Formats», heißt es von Sky Deutschland mit Hauptsitz in Unterföhring bei München.

Die Sketche werden aktuell in Köln von Comedy-Autoren geschrieben, hierzulande auch eingesprochen und dann in einem Londoner Studio mit eigens handgefertigten Puppen gespielt.

Neben Schlumpf Scholz (Zitat der Gummi-Klum: «Das ist ja wie Helmut Schmidt auf sehr starkem Valium») herrscht die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock über ein Biosupermarkt-Imperium, in dem Armin Laschet ein Praktikum absolviert. Aus der Politik sind zudem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dabei. Auch Kurzauftritte von Sahra Wagenknecht (Linke) und Alice Weidel (AfD) sind geplant.

Darüber hinaus haben der Rapper Capital Bra, der ins Eistee-Business eingestiegen ist, und der Fußballer Thomas Müller die Ehre. Die Stimmen kommen von Sprecherinnen wie Antonia von Romatowski (etwa Merkel, Baerbock, Klum, von der Leyen) oder Petra Nadolny (Schöneberger) sowie Sprecher Tobias Brodowy (Laschet und andere).

Waren im britischen Original bisher schon als Deutsche die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der FC-Liverpool-Trainer Jürgen Klopp vertreten, erhalten die eigens für Deutschland produzierten Episoden-Teile nun eben auch Unterstützung von deutschen Promi-Puppen, die auf der Insel kein Begriff sind, darunter die TV-Größen Joko & Klaas, Barbara Schöneberger, Markus Lanz, Jorge González und Jan Böhmermann. Die Staffel wird ein Mix mit internationalen Sketchen. Auf diese Weise sind Puppen von Joe Biden, Donald Trump, Wladimir Putin, Elton John, Prinz Harry und Meghan, Prinz William und Kate sowie Greta Thunberg mit von der Partie.

«Spitting Image» ist ein britischer TV-Klassiker. Die Sendung kam von 1984 bis 1996 beim Sender ITV. Weltberühmt wurden die Puppen vor 35 Jahren mit dem Genesis-Musikvideo zu «Land of Confusion», in dem der Gummi-Ronald-Reagan am Ende aus Versehen den Nuklearknopf drückt. Vor einem Jahr wurde das Format beim On-Demand-Dienst Britbox von BBC und ITV wiederbelebt. In Deutschland gab es vor 30 Jahren in der ARD das Gummipuppen-Format «Hurra Deutschland». 2003 belebte es RTLzwei kurz wieder - unter dem Titel «Hurra Deutschland - jetzt erst recht!».

Zwischen 1989 und 1992 waren bei «Hurra Deutschland» Figuren wie Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Hans-Jochen Vogel, Norbert Blüm, aber auch Thomas Gottschalk, Alfred Biolek, Steffi Graf und Heino dabei. In der Wendezeit wirbelte auch Lothar de Maizière mit. Es dominierte jedoch stets der damalige Regierungschef Helmut Kohl.

Beim Kreuzworträtsel am Küchentisch mit Ehefrau Hannelore wunderte der sich über das gesuchte Wort für «Kanzler der Wiedervereinigung mit vier Buchstaben»: «Ich! das passt net, warum?»

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