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Kritik nach Sturm auf US-Kapitol

„Ein schwarzer Tag für ARD und ZDF“

Münster

Ausgerechnet der frühere Leiter des Berliner ARD-Hauptstadtstudios hat angesichts der Berichterstattung über den Sturm auf das US-Kapitol scharfe Kritik auch an seinem früheren Arbeitgeber geäußert. „Das war ein schwarzer Tag für ARD und ZDF“, berichtet Ulrich Deppendorf auf Anfrage unserer Redaktion.

Stefan Biestmann

Ulrich Deppendorf moniert, dass ARD und ZDF zu spät das Programm unterbrochen haben, um live nach Washington zu schalten. Foto: imago

Fünfeinhalb Jahre ist es schon her, dass Ulrich Deppendorf als damaliger Leiter des Berliner ARD-Hauptstadtstudios in den Ruhestand ging. Aber die Arbeit seiner Ex-Kollegen verfolgt der 70-Jährige weiterhin aufmerksam. Am frühen Mittwochabend platzte ihm der Kragen. Als er vom Sturm aufs US-Kapitol erfuhr, suchte er in der ARD und beim ZDF vergeblich nach Livebildern. „In Washington gibt es einen Anschlag auf die US-Demokratie und DAS ERSTE sendet Hans Albers! Verstehen tue ich das nicht mehr“, teilte Deppendorf unmittelbar darauf bei Twitter mit.

Die ARD zeigte ab 20.15 Uhr den Film „Für immer Sommer 90“ und plante zu diesem Zeitpunkt im direkten Anschluss um 21.45 Uhr die Reportage „Die Liebe des Hans Albers“. Am Donnerstag legte Deppendorf auf Anfrage unserer Zeitung nach: „Das war gestern in Washington ein Jahrhundert-Ereignis. Und es war ein schwarzer Tag für die Hauptprogramme von ARD und ZDF.“

Tausende Menschen reagierten auf Deppendorfs Tweet. Die meisten davon teilten seine Kritik. Auch viele frühere Kollegen hätten sich bei ihm gemeldet und von einem „Versagen“ der ARD gesprochen. Die ARD wies auf Anfrage unserer Redaktion die Kritik zurück und wies darauf hin, dass „ab 21.14 Uhr“ ein „Breaking-News“-Fenster zu den Ereignissen eingeblendet worden sei – mit Hinweis auf die Internetseite „tagesschau.de“. Zudem hätten die Sender Tagesschau 24 und Phoenix „den ganzen Abend berichtet“, berichtet ARD-Sprecher Burchard Röver. Um 21.45 Uhr gab es dann ein zehnminütiges „Tagesthemen extra“.

„Das reicht in keiner Weise. Das ist die Standard-Ausrede“, meint Deppendorf. Zudem moniert er, dass Moderator Claus Kleber beim ZDF-„heute journal“ auf die Berichterstattung des US-Nachrichtensenders CNN verwies. „Das ist die Kapitulation der öffentlich-rechtlichen Hauptprogramme vor CNN.“

Lob für Spartenkanal Phoenix

Nach dem „Tagesthemen-Extra“ um 21.45 Uhr hielt sich die ARD zunächst wieder ans alte Programmschema und sendete das Albers-Dokudrama – brach diesen Film aber schließlich um 23 Uhr frühzeitig für eine längere Tagesthemen-Sendung ab. „Wegen der unsicheren Situation vor Ort konnte eine Live-Schalte erst ab 23 Uhr angeboten werden“, begründet Röver.

„Der Hans-Albers-Film hätte früher abgebrochen werden müssen“, sagt Deppendorf. „Das ist an einem solch historischen Tag und bei einem solch historischen Ereignis Pflicht der öffentlich-rechtlichen Programme.“ Immerhin findet er auch lobende Worte – allerdings nicht für seinen Ex-Arbeitgeber: „Die Ehre von ARD und ZDF hat gestern gerade noch der Spartenkanal Phoenix gerettet.“

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