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Franken-«Tatort» rückt Hinterbliebene in den Mittelpunkt

Nürnberg (dpa)

Ein Mord ohne Motiv - kann es das geben? Im neuen «Tatort»-Krimi in Nürnberg sieht es zuerst ganz danach aus. Die Eltern des Opfers quält das besonders.

Von Irena Güttel, dpa

Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) suchen den Mörder von Lukas Keller. Foto: Hagen Keller/BR/Hager Moss Film/ARD/dpa

Warum ermordet ein Mensch einen anderen? Die Frage nach dem Motiv ist in einem Krimi zentral. Denn wer ein Motiv hat, kommt als Täter infrage. Doch in der neuen «Tatort»-Folge «Warum» aus Nürnberg, die das Erste am Sonntag um 20.15 Uhr sendet, scheint genau dieses zu fehlen.

Warum musste der junge IT-Spezialist Lukas Keller (Caspar Schuchmann) sterben? Seine Eltern stürzt die Tat in tiefe Verzweiflung. Die Kommissare Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) stehen vor einem schwierigen Fall, der sie auch emotional fordert.

Lukas' Mutter Marie Keller (Valentina Sauca) hat sich so sehr auf den Abend gefreut: Ihr Sohn wollte mit seiner neuen Freundin Mia (Julie Engelbrecht) zum Essen kommen. Doch er taucht nicht auf, auch auf dem Handy ist er nicht erreichbar. Später bekommt sie Besuch von den beiden Kommissaren. Ihr Sohn ist in der Nähe seines Sportclubs mit durchgeschnittener Kehle gefunden worden.

Marie Keller ist vom Schock wie erstarrt, doch dann klammert sie sich an Lukas' neue Freundin wie an einen rettenden Strohhalm. Sie will unbedingt Kontakt mit der jungen Frau aufnehmen. Doch die scheint ein Geheimnis zu haben und wird bedroht. Hat sie etwas mit dem Tod von Lukas zu tun?

Das Verbrechen bringt Marie Keller und Lukas' Vater Fritz Keller (Karl Markovics), die sich vor langer Zeit getrennt hatten, einander wieder näher. Sie ermitteln zusammen auf eigene Faust. Die Suche nach dem «Warum» wird für sie zum Lebensinhalt.

Der Schmerz der Eltern ist in dem Film deutlich greifbar - ganz besonders, als sie bei Lukas' Arbeitsplatz die gepackten Kisten mit seinen Sachen abholen. Götz Otto spielt seinen Chef Karl-Heinz Weinhardt, der den jungen Mann als seinen Nachfolger in dem Nürnberger Speditionsunternehmen aufbauen wollte.

Der als James Bond-Widersacher bekannt gewordene Schauspieler Otto tritt als empathischer Familienmensch und väterlicher Freund des Opfers auf, etwas spießig wirkend in braunem Wollpullover und Karohemd.

«Tatort»-Comeback von Götz Otto

Otto hat damit nach 25 Jahren erstmals wieder eine Rolle in einem «Tatort» übernommen. Er selbst ist laut eigenen Worten «Tatort»-Fan, an der neuen Folge aus Nürnberg hat ihn aber vor allem gereizt, dass dieser eben kein klassischer Krimi sei. «Es geht ja gar nicht so sehr darum, wer hat den jungen Mann auf dem Gewissen. Das Besondere ist, dass es viel mehr um die Perspektive der Hinterbliebenen geht und wie man mit dem Tod eines Menschen umgeht», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Überzeugend spielen Sauca und Markovics die Eltern, die zunehmend zu zerbrechen zu scheinen. Der Nürnberger «Tatort» unter der Regie von Max Färberböck ist keine actiongeladene, nervenaufreibende Jagd nach dem Verbrecher. Die Akteure reden langsam und leise, als koste es sie immense Kraft. Immer wieder gibt es Momente des Schweigens. Man spürt den Frust der Ermittler, als sie mit dem Fall nicht weiterkommen. Erst haben sie eine heiße Spur, dann löst sich diese auf schockierende Weise wieder auf.

«Mich interessiert zerstörtes Leben mehr als Ermittlungsfilme», sagt Färberböck in einem Interview mit «Nürnberger Nachrichten» und «Nürnberger Zeitung». «Für mich ist ein Mord eine Tragödie - für die Opfer, den Täter und die Ermittler.» Das zeigt sich auch am Ende des «Tatorts», das überraschend kommt und wo es zur Nebensache wird, wer den Fall schließlich gelöst hat.

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