1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Fernsehen
  6. >
  7. Guido Cantz: Joe Cocker war ein Highlight

  8. >

Abschied

Guido Cantz: Joe Cocker war ein Highlight

München (dpa)

Zwölf Jahre war Guido Cantz das Gesicht von «Verstehen Sie Spaß?». Jetzt geht er. Im dpa-Interview blickt er zurück und äußert sich auch über Nachfolgerin Barbara Schöneberger.

Interview: Marco Krefting, dpa

Guido Cantz gibt ab an Barbara Schöneberger: «Die kann das.» Foto: Oliver Berg/dpa

Zum letzten Mal moderiert Guido Cantz am Samstag (20.15 Uhr) «Verstehen Sie Spaß?» im Ersten. Es ist seine 60. Folge und die 200. Episode insgesamt. Zeit für Rück- und Ausblicke.

Frage: Herr Cantz, wie geht es Ihnen nach Ihrer Corona-Infektion?

Antwort: Ich bin wieder einigermaßen hergestellt. Ich würde sagen, so 85 Prozent. Es war ein milder Verlauf. Aber es ist noch nicht so, dass ich morgen Marathon laufen könnte.

Frage: Sie haben jetzt 60 Ausgaben «Verstehen Sie Spaß?» hinter sich. Woran erinnern Sie sich besonders gern?

Antwort: Natürlich an die erste, die ich moderiert habe, Anfang April 2010 in Halle an der Saale. Ich bin normalerweise keiner, der groß Lampenfieber hat. Aber da habe ich schon zwei Nächte nicht so richtig gut geschlafen. Ich durfte im Hotel in der Suite von Hans-Dietrich Genscher wohnen, da hing der gelbe Pulli von unserem ehemaligen Außenminister. Und dann ging es an diesem Samstagabend raus - und da war ich schon nervös und dachte mir, Hauptsache fehlerfrei die Sendung nach Hause bringen. Und das hat auch ganz gut geklappt.

Frage: Gab es denn in den Folgejahren auch Highlights, die für immer in Erinnerung bleiben?

Antwort: Ja klar, da gibt es ganz viele. Eines meiner Highlights musikalischer Art war Joe Cocker. Da ging es die ganze Zeit hin und her: Kommt er zur Probe vor der Live-Sendung - oder nicht? Und er war da! Komischerweise waren auch relativ viele Leute auf einmal bei dieser Probe, die sonst nie im Saal gesessen haben. Und dann habe ich mich vorgestellt - und es war wirklich abends so, als wenn wir zusammen auf der Grundschule gewesen wären. Er hat mich begrüßt nach dem Motto «Mensch, Guido!». Das war ein sehr, sehr cooles Gefühl.

Und Udo Jürgens hat mir das Du angeboten. In einer Sendung stand er neben mir und hat gesagt: «Das immer mit dem Sie, Herr Jürgens, das ist ja auch Quatsch. Du machst das doch ganz toll hier.» Und am nächsten Morgen nach dieser Sendung trafen wir uns im Hotel und er hatte einen Bademantel an. Ich dachte, er trägt den nur zur Zugabe bei seinen Konzerten. Und wir waren immer noch beim Du.

Frage: Gibt es Gäste, die Sie gerne gehabt hätten, die aber immer abgesagt haben oder gar nicht erst auf Anfragen geantwortet haben?

Antwort: Nein, eigentlich weniger. Ich habe immer gesagt: Angela Merkel und Jogi Löw. Das war immer so mein Ziel, wenn wir Leute reinlegen, dann die wahrscheinlich bekanntesten Persönlichkeiten in Deutschland. Und dazu zählt natürlich sowohl Bundeskanzlerin als auch Bundestrainer. Das habe ich leider nicht geschafft. Jetzt haben beide aufgehört. Da habe ich gesagt, dann kann ich ja auch aufhören.

Frage: Ist denn mal vor oder hinter den Kulissen etwas völlig in die Hose gegangen?

Antwort: Ja, klar. Einige Sachen haben nicht funktioniert. Dass Rea Garvey uns auf den Kopf zugesagt hat, das ist «Verstehen Sie Spaß?». Das Sondereinsatzkommando der Polizei, das hier gerade in den Irish Pub reinkommt, das sind keine richtigen Polizisten. Sein Vater war in Irland Polizist, und er hat das an irgendeiner Sache festgemacht. Bei Joachim Llambi ist auch der Dreh auch geplatzt. Er hat gesagt: «Entweder löst ihr jetzt auf oder ich verlasse diese Veranstaltung.» Das waren so die die beiden Prominenten in meiner Zeit, bei denen es nicht geklappt hat.

Frage: Das TV-Lagerfeuer am Samstagabend galt ja mit dem Aus von «Wetten, dass..?» als erloschen. Sie schaffen es trotzdem, mehr als drei Stunden am Stück zu produzieren. Haben Sie ein Geheimrezept?

Antwort: «Verstehen Sie Spaß?» ist eine Sendung, die wirklich alle Altersstufen anspricht. Dieser Reflex zu lachen, ja auch Schadenfreude ist da sicherlich zu nennen, ist sowohl für Erwachsene als auch für Kinder interessant. Ich glaube, was ich in den letzten zwölf Jahren geschafft habe, ist, dass wir es wieder hinbekommen haben, sowohl die Älteren als auch die Jüngeren zusammen vor den Fernseher zu bekommen. Und wir haben ja wirklich sensationelle Quoten gerade bei den jungen Zuschauern.

Frage: Ist das Format jetzt gerade in Krisen- und Pandemie-Zeiten auch eine Möglichkeit, ein bisschen der Realität zu entfliehen?

Antwort: Auf jeden Fall. Deswegen glaube ich auch, dass Unterhaltung im Fernsehen wichtig ist, auch bei den Öffentlich-Rechtlichen. Ein wichtiger Teil des Auftrags ist, die Leute zu informieren - aber auch zu unterhalten. Natürlich sind es meist viele negative Nachrichten, die die Menschen beschäftigen. Wo stehen wir in der Pandemie? Was kommt auf die Menschen bis Weihnachten noch zu? Dazu gehört dann aber auch eine Sendung wie «Verstehen Sie Spaß?», die versucht und oftmals auch schafft, in diesen drei Stunden die Leute aus dem Alltag zu entführen und ihnen einfach eine gute Zeit macht. Das ist immer noch eine schwierige Disziplin, auch wenn es leicht aussieht.

Frage: Sie übergeben jetzt an Barbara Schöneberger und damit an einen Unterhaltungs-Profi. Geben Sie ihr trotzdem was mit auf den Weg?

Antwort: Das brauche ich gar nicht. Ich kenne Barbara schon sehr lange. Sie moderiert auf vielen unterschiedlichen Sendern. Die kann das. Ich glaube, sie ist eine gute Besetzung, weil Barbara jemand ist, die wirklich Spaß an Humor hat. Sie ist ein sehr humorvoller Mensch und lacht gerne, auch über sich selbst. Barbara kennt die Sendung. Und ich glaube, ich muss ihr nur wünschen, viel Spaß zu haben, sich darauf einzulassen. Das Team ist großartig. Und deswegen wird die Erfolgsgeschichte von «Verstehen Sie Spaß?» weitergehen.

Frage: Und wie wird Ihre Geschichte weitergehen?

Antwort: Für mich war wichtig, eine gute letzte Sendung zu moderieren. Dass ich das zu Ende bringe, dass jetzt meine letzte Sendung läuft. Ich war dann aber doch auch emotional angefasst. Man gibt ja so auch ein Stück weit ein Baby ab. Und das nächste, was ich jetzt mache, wird ein Quiz sein mit Günther Jauch und Johannes B. Kerner. Wir drei werden zusammen antreten gegen die Quiz-Elite in Deutschland. Das ist eine Sendung, die dieses Jahr noch produziert wird und im nächsten Jahr bei RTL laufen wird.

ZUR PERSON: Guido Cantz (50) ist Moderator, Komiker und Buchautor. Auch im Karneval ist der Kölner zuhause. Vor allem durch seine platinblond gefärbten Haare fällt er auf. Seit 2010 präsentierte er «Verstehen Sie Spaß?». Mitte November gab der Familienvater bekannt, sich trotz zweifacher Impfung mit Corona infiziert zu haben.

Startseite
ANZEIGE