1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Fernsehen
  6. >
  7. Henning Baum spielt den «König von Palma»

  8. >

TV-Tipp

Henning Baum spielt den «König von Palma»

Berlin (dpa) –

In der Serie «Der König von Palma» versinkt Henning Baum im Mallorca der 90er als Barbesitzer im Sumpf von Korruption und Gewalt. Das Ballermann-Sittengemälde kam auf dem Streamingportal RTL+ so gut an, dass der Sender schon eine zweite Staffel bestellte.

Von Meyel Löning, dpa

Matti Adler (Henning Baum) in einer Szene der Streaming-Serie «Der König von Palma». Foto: Libertad/RTL+/dpa

Auch Mallorca kann zum Alptraum werden. In der RTL-Serie «Der König von Palma» liegt Matti Adler (Henning Baum) braun gebrannt auf einer Jacht – allerdings bewusstlos und zusammengeschlagen.

Als sich Ost- und Westdeutsche nach der Wende gerade neu in die Insel verlieben, eröffnet der Auswanderer die Strandbar «Bieradler». Er trifft auf Korruption, Gewalt und Manuel Diaz. «Nimm das als Warnung, komm mir nicht noch mal in die Quere», zischt der mafiöse Gastronom. Dann wird Adler ins Meer gestoßen.

Für die Rolle des wehrhaften und risikofreudigen Auswanderers aus dem Ruhrgebiet, übrigens mit stilechter 90er-Jahre-Dauerwelle, passt der «letzte Bulle» Baum perfekt. Dabei war der in Essen geborene Schauspieler nie als Partygast auf Mallorca. «Das Treiben am Ballermann war nichts, was ich in meiner Jugend gesucht hätte», sagt der 49-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Trotzdem wisse er genau, was er dort als Matti Adler spiele - aus eigener Erfahrung.

Baum geht Ende der 80er Jahre auf ein Internat im britischen Kent. Dort muss er sich wie Adler in neuen Gefilden vor Nebenbuhlern bewähren - auch wenn Baum wegen seiner kräftigen und sportlichen Erscheinung schnell «Beefcake» genannt wird. Der Manuel Diaz von Kent ist ein amerikanischer Mitschüler, der es dem Neuen aus Deutschland schwermachen will. «Ich habe ihm aber schnell klargemacht, dass es besser ist, wenn wir höflich miteinander umgehen», erzählt Baum. Ob er da das Gespräch gesucht hat? «Nein. Ich hab den auf den Billardtisch geklatscht und ihm die Kehle zugedrückt.»

Während der Filmstoff aus dem wahren Leben sich also schnell erledigt hätte, lassen sich Adlers Widersacher auf Mallorca nicht so schnell aufs Kreuz legen. Dafür haben die Showrunner Veronica Priefer und Johannes Kunkel in der sechsteiligen Serie auch zu viel zu erzählen. Sie sprachen vor Ort mit Zeitzeugen und wühlten sich durch die Medienberichte der damaligen Zeit. Entstanden ist ein süffiges Sittengemälde über das vom Aufbruch und Bier- und Goldrausch geprägte Lebensgefühl auf Mallorca nach der Wende: Sommer, Sonne, «Bierkönig».

«Der König von Palma» wechselt dabei im Minutentakt zwischen Thriller, Familiendrama und Feel-Good-Serie. Für Atmosphäre sorgen kultige Originalaufnahmen aus jener Zeit zum Hin- oder manchmal besser Wegschauen. Zu einem launigen 80er-/90er-Soundtrack trägt auch Lucas Cordalis in der Rolle seines verstorbenen Vaters Costa bei. Die ostdeutsche Spontan-Auswanderin Bianca Bärwald (Pia-Micaela Barucki), die später Adlers Familienleben aufwühlt, fordert ihn im «Bieradler» zum Singen auf - die Geburtsstunde des Schlagers am Ballermann.

Aber nicht nur Freunde der Sonne tummelten sich 1990 auf der Insel. Es gab auch «Abzocker, Luden, Huren, Hochstapler und Spekulanten, Koksdealer - und nun auch Mörder», wie es der «Spiegel» in jenem Jahr nach einem Mordfall auf der Insel in der Reportage «Im Schatten des Bierkönigs» schrieb. In der Serie treffen sie alle aufeinander.

Das kam im Streamingportal RTL+ schon ab Ende Februar so gut an, dass der Sender bei seinem TV-Osterprogramm jetzt voll auf den «König von Palma» setzt - inklusive Dokumentationen im Anschluss. Mehr noch: RTL gab kurz nach dem Streamingstart bereits eine zweite Staffel in Auftrag. Kein Wunder, hinterlässt das Serienfinale doch einige Fragen - und damit Raum für eine Fortsetzung.

Startseite
ANZEIGE