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Hetze gegen couragierte Frau: «Die Bürgermeisterin» im ZDF

Berlin (dpa)

Eine Kleinstadt streitet um ein Heim für Geflüchtete. Eine Kommunalpolitikerin und ihre Familie werden diffamiert und bedroht. Engagierter, gut besetzter Spielfilm zu einem hochaktuellen Thema.

Von Johannes von der Gathen, dpa

Claudia Voss (Anna Schudt) realisiert, dass sie nichts gegen die rechte Demonstration in ihrer Stadt ausrichten kann in einer Szene aus «Die Bürgermeisterin». Foto: Martin Rottenkolber/ZDF/dpa

Sie ist eine, die sich kümmert: Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Claudia Voss (Anna Schudt) hat für alle Anliegen ein offenes Ohr. Der Standort des Bücherbusses, der Belag des Sportplatzes, umgekippte Mülleimer - Claudia Voss hört zu und wird aktiv. «Du hast nach der Abifeier um 4 Uhr allein die Halle gefegt», sagt ihre Freundin über diese allseits beliebte kommunale Powerfrau.

Alles ändert sich schlagartig, als Pläne bekannt werden, dass in der Kleinstadt ein Flüchtlingswohnheim gebaut werden soll. Schon bald schlägt der couragierten Politikerin der blanke Hass entgegen. Der sehr nahe an der deutschen Realität angesiedelte Spielfilm «Die Bürgermeisterin» läuft an diesem Montag um 20.15 Uhr im ZDF.

Die Anfeindungen gegen Claudia Voss und ihre Familie kommen zunächst verbal, dann geballt und zumeist anonym über die sozialen Medien und und werden schließlich zur konkreten Gefahr für Leib und Leben. Der Unternehmer Veith Landauer (Alexander Beyer) schürt ganz gezielt die Ressentiments und nimmt billigend in Kauf, dass Neonazis die Situation gnadenlos ausnützen.

Claudias Ehemann Peter (Felix Klare), der eine Schreinerei in dem Ort besitzt, verliert plötzlich Aufträge. Und ihre Tochter Leonie (Jule Hermann) wird in der Schule übel gemobbt. Schließlich steht die ganze Familie unter Polizeischutz, wegen einer diffusen Bedrohungslage.

Diffuse Mechanismen der Hetze

Sehr glaubwürdig und auch differenziert zeigt der Drehbuchautor und Grimmepreisträger Magnus Vattrodt («Unterleuten - Das zerrissene Dorf») in «Die Bürgermeisterin» die Mechanismen der Hetze, die immer diffus bleiben, aber dennoch eine Familie zerstören können.

Am Anfang fragt sich die Bürgermeisterin noch selbst, warum denn gerade ihr schönes Städtchen ein Flüchtlingsheim bekommen soll. Dann nimmt sie die Aufgabe wie eine staatsbürgerliche Pflicht an und droht doch daran zu scheitern, obwohl sie auch einige Unterstützung erfährt. Es gibt keine einfachen Antworten in dieser Geschichte, gerade Kommunen sind beim Thema Geflüchtete oft überfordert. Übrigens bleibt offen, ob die Stadt im Westen oder Osten Deutschlands liegt.

Ein wenig didaktisch kommt der TV-Film in der Regie von Christiane Balthasar schon daher, aber die starken Darsteller gleichen dies locker aus: Anna Schudt («Aufbruch in die Freiheit») überzeugt als mutige Kommunalpolitikerin, die ihr Helfersyndrom nie ganz unterdrücken kann. Felix Klare (Stuttgarter «Tatort») verkörpert als handfester Ehemann und Unternehmer den Anker zur Realität, und Jule Hermann («Wendy - Der Film») macht die Nöte eines Teenagers in einer familiären Ausnahmesituation greifbar.

Im Anschluss an den Spielfilm läuft um 21.45 Uhr im ZDF die halbstündige Dokumentation «Engagiert und attackiert - Wenn Politiker zur Zielscheibe werden».

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