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TV-Tipp

In den Fesseln der Vergangenheit: «Zurück ans Meer»

Berlin (dpa)

Eine Mutter und ihre Tochter leben seit vielen Jahren in sich gefangen. Grund ist eine lange zurückliegende schreckliche Tat. Hannelore Hoger und Nina Hoger beeindrucken in einem Psychodrama.

Von Klaus Braeuer, dpa

Charlottes (Hannelore Hoger, l) spricht mit Rechtsanwalt Johansen (Morten Sasse Suurballe), dahinter sieht Mara (Nina Hoger) in einer Szene des Films "Zurück ans Meer" zu. Foto: Marion von Der Mehden/ZDF/dpa

Vor fast 20 Jahren wurde eine junge Frau im Urlaub in Dänemark entführt und gegen ein Lösegeld freigelassen. Diese Tat hat sie tief traumatisiert und nie wieder losgelassen, auch ihre Mutter nicht. Wie beide damit umgehen, das zeigt das Drama «Zurück ans Meer», zu sehen an diesem Montag um 20.15 Uhr im ZDF.

Mutter Charlotte (Hannelore Hoger) und Tochter Mara (Nina Hoger) leben seit dieser Entführung zusammen und doch allein. Es kommt niemand zu Besuch, sie gehen nirgendwo hin. Es gibt kaum noch normale Tage - alle Therapieversuche, vom Psychologen bis zum Wunderheiler, sind bislang gescheitert. Mara lebt seit der Entführung wie eingefroren, ist antriebslos, hat Selbstmordgedanken. Niemand erreicht sie mehr, auch der Mutter gelingt es nicht. Charlotte ist wütend und enttäuscht darüber. Sie funktioniert einfach weiter, betreibt - so gut es geht - ihren Buchladen in Hamburg. Doch es wird immer deutlicher, dass beide eine Pause voneinander brauchen.

Therapie an der Ostsee

Eine neue freiwillige Therapie bei Dr. Sahling (Christina Große) soll helfen, sie wohnt in einem schönem Landhaus an der Ostsee und stellt fest, dass bei Mara Körper und Seele sich gegenseitig gefangen halten.

Bei einem Spaziergang glaubt Charlotte, die Stimme eines Mannes als die des Entführers und Erpressers wiederzuerkennen - es ist der vermögende dänische Bauunternehmer Kjell Mortensen (Jens Albinus). Charlotte verfolgt ihn bis nach Dänemark, dringt in sein Haus ein, malt Parolen an die Wände. Er überrascht sie dabei und stürzt schwer. Charlotte wird festgenommen und bekommt den Pflichtverteidiger Johansen (Morten Sasse Suurballe) zugewiesen, der sie widerwillig vertritt. Nun wird endlich ermittelt - denn eine Entführung verjährt nach 20 Jahren.

Hannelore Hoger (80, «Hotel Heidelberg») darf hier ein wenig «Bella Block» spielen. Hauptsächlich jedoch gibt sie glaubhaft eine verzweifelte Mutter, die ihrer Tochter - teils mit zu viel Druck - doch nur helfen will. Die Tochter wiederum wird von Hogers Tochter Nina (60, «Um Himmels Willen») gespielt, beide agieren hier zum neunten Mal zusammen vor der Kamera.

Stärken von Hoger erst zum Schluss

Das klappt ziemlich gut und intensiv, auch wenn Nina Hoger erst im letzten Drittel des Films zeigen darf, was in ihr steckt - beide Damen spielen nicht gegeneinander an. Die Krimi-Elemente im Film hingegen wirken ziemlich zusammengewürfelt, die deutschen Untertitel für dänisch gesprochene Szenen sind etwas störend.

Autor Fabian Thaesler («Bella Block») und Regisseur Markus Imboden (66, «Daheim in den Bergen») haben insgesamt ein ebenso einfühlsames wie packendes Drama mit vielschichtigen Hauptcharakteren inszeniert; gedreht wurde in Travemünde, Hamburg, Kopenhagen und auf Fehmarn.

Ganz zum Schluss vermag Mara sich endlich zu erinnern - der Therapieansatz scheint der richtige zu sein. Es ist nicht so entscheidend für sie, einen Täter überführt zu wissen. Viel wichtiger ist, dass Mara nicht länger Angst vor ihm hat und endlich zurück in ihr Leben finden kann.

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