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«Inventing Anna»: Serie über deutsche Hochstaplerin

New York (dpa)

Luxus-Urlaub in Marokko, Flug im Privatjet, Essen in schicken Restaurants: Leistungen im Wert von rund 200.000 Dollar erschlich sich die deutsche Hochstaplerin Anna Sorokin in New York.

Von Christina Horsten, dpa

Julia Garner spielt eine der Hauptrollen in «Inventing Anna». Foto: Aaron Epstein/Netflix/dpa

Die Geschichte selbst schien schon zu verrückt, um echt zu sein - und schnell wird deutlich, dass das in der Verfilmung nicht anders ist. «Die ganze Geschichte ist komplett wahr», heißt es im Trailer zur Netflix-Serie «Inventing Anna», «abgesehen von all den Teilen, die total erfunden sind».

Es geht um Anna Sorokin, geboren 1991 in der Nähe von Moskau. Als Teenager zog sie mit ihren Eltern nach Deutschland und machte in Eschweiler bei Aachen Abitur. Soweit, so unspektakulär - doch dann zog Sorokin über London und Paris nach New York, wo sie sich schließlich in der High Society Manhattans unter dem Pseudonym Anna Delvey als Millionenerbin ausgab und - so urteilte ein Gericht 2019 - Leistungen im Wert von mehr als 200.000 Dollar (etwa 175.000 Euro) erschlich.

Bekannte, Hotels, Restaurants und Banken führte sie reihenweise hinters Licht - mal gab sie an, ihre Kreditkarte vergessen zu haben, mal machte sie deutsche Feiertage oder die Zeitverschiebung für eine ausbleibende Überweisung verantwortlich und erschlich sich so sogar einen Flug mit einem Privatjet und einen Luxusurlaub nach Marokko.

«Die Sache ist, es tut mir nicht leid», sagte Sorokin nach dem Prozess, bei dem sie auch mit extravaganter Kleiderwahl eine Selbstvermarktungs-Show ablieferte, in einem Interview. «Ich würde Sie und alle anderen anlügen, wenn ich sagen würde, dass mir irgendetwas leidtun würde. Ich bedaure nur, wie ich bestimmte Sachen angegangen bin.»

Nach dem Prozess die Verfilmung

Der Prozess sorgte bereits für viele Schlagzeilen. Und jetzt ist die Geschichte von Sorokin auch verfilmt, zu sehen seit kurzem als neunteilige Serie beim Streaming-Dienst Netflix. Produziert wurde «Inventing Anna» von Shonda Rhimes, die auch schon für Erfolgsserien wie «Grey's Anatomy» und «Bridgerton» verantwortlich war.

Als Hauptdarstellerin hatte sich Sorokin selbst zwar schon während des Prozesses öffentlich Hollywood-Star Jennifer Lawrence gewünscht, es wurde aber schließlich die zumindest bislang deutlich weniger berühmte Julia Garner. Anna Chlumsky («My Girl - Meine erste Liebe») spielt die Journalistin Jessica Pressler, die sich auf die Spur von Sorokins Geschichte macht.

«Inventing Anna» wurde in den USA mit großer Werbetrommel ausgerollt, die Serie besticht durch Hochglanz-Bilder, rasante Dialoge und kreative Schnitte. Aber die ersten Kritiken waren gemischt. Während beispielsweise der Radiosender NPR die Show als «kreativen Triumph» feierte, kritisierten zahlreiche andere Medien, dass Sorokin in der Serie zu sehr gefeiert würde und nicht genügend deutlich gemacht werde, dass sie eine verurteilte Betrügerin sei.

Rachel Williams, die bei der Zeitschrift «Vanity Fair» arbeitete und zu denjenigen gehört, von denen Sorokin Geld erschwindelte, bezeichnete die Darstellung gar als «gefährliche Verzerrung».

Als Beraterin dabei

Sorokin selbst war auch an «Inventing Anna» beteiligt. Als Beraterin wurde sie auch bezahlt. Mit dem Geld habe sie Schulden und Gerichtskosten abbezahlt, sagte sie in einem Interview der «New York Times». Die 31-Jährige war eigentlich zu vier Jahren Haft verurteilt worden, Anfang 2021 aber wegen guter Führung bereits nach rund anderthalb Jahren wieder entlassen worden.

Wenige Monate später wurde sie allerdings wieder festgenommen, weil ihr Visum ausgelaufen war, und sitzt seitdem in einer Einrichtung der US-Einwanderungsbehörde ICE im Bundesstaat New York. Gegen eine Abschiebung nach Deutschland hat sie Einspruch eingelegt.

Sie habe sich verändert und ihre Entscheidungen täten ihr inzwischen doch leid, sagte sie kürzlich in einem Interview. Ihre Zelle sei sehr «deprimierend», sie verbringe ihre Zeit vor allem mit Lesen - und sie wolle noch mehr von ihrer Geschichte erzählen.

Eine weitere Doku-Serie ist bereits angekündigt und sie arbeite auch an einem Buch und einem Podcast, sagt Sorokin. «Ich will die Menschen nicht dazu auffordern, Verbrechen zu begehen. Ich versuche nur zu zeigen, wie ich das Beste aus meiner Situation gemacht habe, ohne es zu glorifizieren.»

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