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Mit Staraufgebot: Die Serie «Landscapers» bei Sky

Berlin (dpa)

Nach einer wahren Geschichte: Olivia Colman («The Crown») und David Thewlis («Harry Potter») als Pärchen, das kein Wässerchen zu trüben scheint. Haben sie wirklich Leichen vergraben? Und wenn ja: Warum?

Von Christof Bock, dpa

Olivia Colman und David Thewlis in der Serie «Landscapers», das ab 10.02. auf Sky zu sehen ist. Foto: Stefania Rosini/© 2021 Sister Pictures Limited/Sky Studios/dpa

Zuweilen ist das echte Leben so bizarr, dass eine True-Crime-Serie im besten Falle zu einer schwarzen Komödie gerät. So geschehen bei der britischen Mini-Serie «Landscapers», die am 10. Februar bei Sky startet.

Sie greift einen wahren Kriminalfall auf: den Doppelmord an einem Rentner-Ehepaar in einer Kleinstadt nördlich von London im Jahr 1998. Die Nachbarn dachten, die verschwundenen alten Leute seien umgezogen. Rund 15 Jahre lang blieb das Verbrechen unentdeckt, bis die Rentenbehörde einem der Opfer zum 100. Geburtstag gratulieren wollte. Zugleich trug jemand aus der Familie Details aus einem Telefonat an die Polizei. Schwiegersohn Christopher und seine Frau Susan stellten sich und wurden 2014 als Mörder verurteilt, beide erwartet 25 Jahre Gefängnis. Sie beteuern bis heute ihre Unschuld.

Die Medien sprachen von einem der ungewöhnlichsten Kriminalfälle der britischen Geschichte und veröffentlichten immer neue Details über dieses illustre Paar: Zwei fanatische Film-Fans, immer knapp bei Kasse, dennoch fleißig im Geld ausgeben für Autogramme und andere Andenken an ihre Idole Frank Sinatra und Gary Cooper. Susan soll ihrem geliebten Christopher regelmäßig gefälschte Briefe im Namen von Gérard Depardieu geschickt haben. Es ist eine Paraderolle für Olivia Colman, die jede schräge Frauenfigur genial verkörpern kann. Als Susan verstrickt sie sich immer mehr in ihre cineastische Traumwelt.

Während sie bei der Polizei ein Geständnis ablegt, weiß der Zuschauer schon bald nicht mehr: Spricht sie über das echte Verbrechen oder erzählt sie nur eine Geschichte aus einem ihrer Lieblingsfilme? Die Kameraführung löst die Grenze zwischen Realität und Illusion auf. Kulissen verschwimmen, Einbildung und Erinnerung verschmelzen.

Auch David Thewlis, der in mehreren «Harry Potter»-Filmen den Werwolf Remus Lupin spielte, bleibt zunächst famos undurchsichtig. Ist er wirklich der stille, sanfte Ehemann in mittleren Jahren, den er gibt? Hat er nur aus Liebe zu Susan die Leichen im Garten vergraben oder hat er gar selbst den Revolver auf die Senioren abgedrückt? Was ist dran an der Darstellung Susans, ihre Mutter habe den Vater getötet?

Man muss bei dieser tiefschwarzhumorigen Serie auf vieles gefasst sein. Denn die ruhige Erzählweise und der klassische Bildaufbau, die beide eher an einen 60er-Jahre-Film als eine Streamingserie erinnern, wiegen den Zuschauer zu Beginn in Sicherheit, täuschen aber fatal. «Landscapers» wird immer doppelbödiger. Zugleich verwandelt sich der Krimi immer mehr in eine tragische Liebesgeschichte mit einem dunklen Geheimnis. Die britische Filmkritik überschlug sich bereits vor Lobpreisungen. Colman sagt über die Serie: «Da steckt so viel drin. Da ist so viel Fantasie im Spiel. Das ist kein durchschnittliches True-Crime-Drama. Ich habe so etwas in der Art noch nie gesehen.»

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