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TV-Tipp

«München Mord» zwischen Karaoke und zerplatzten Träumen

Berlin (dpa)

Ein verliebter Kommissar, eine Kollegin mit Burn-out - da passiert ein Raubmord eher nebenbei: Im neuen «München Mord» menschelt es sehr.

Von Johannes von der Gathen, dpa

Die Kommissare Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier, l), Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen, M) und Ludwig Schaller (Alexander Held, r) singen Karaoke. Foto: Jürgen Olczyk/ZDF/dpa

In den «München Mord»-Krimis des ZDF steht nicht die glitzernde Bussi-Metropole der Schönen und Reichen im Fokus, sondern die Stadt der einfachen Leute, die es trotz horrender Mieten auch an der Isar noch gibt.

In Untergiesing kann man Menschen finden, die so gerade über die Runden kommen, manchmal auch nur mit Flaschensammeln oder kleinen Gaunereien. In diesem grauen, aber lebendigen Milieu, in dem fast jeder jeden kennt, spielt auch die neue «München Mord»-Folge «Schwarze Rosen», die am Samstag um 20.15 Uhr im Zweiten läuft.

Kleine Bars und eher schäbige Nachtlokale gibt es in Untergiesing zuhauf. In einem dieser tristen Amüsierschuppen wird die Besitzerin Patrizia Opfer eines Raubmordes. Ihre Kollegin Tanja wird Zeugin des Verbrechens, kommt aber seltsamerweise mit einem blauen Auge davon. Die Ermittler Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen), Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier) und Ludwig Schaller (Alexander Held) haben bald einen Verdächtigen gefunden, der aber nachweislich nicht am Tatort war.

Aber es geht in diesem melancholischen TV-Drama gar nicht in erster Linie um die Mördersuche. Stattdessen verguckt sich der nicht mehr ganz junge Schaller in die geheimnisvolle Anita Jandl (Jenny Schily), eine ganz in Schwarz gekleidete Dame, die gerne Chansonette geworden wäre, aber heute in einer schrägen Karaoke-Bar aushilft. Schaller nennt seine neue Bekannte liebevoll «die schwarze Rose von Giesing». Eine zarte Romanze in Herbstfarben bahnt sich an.

Derweil kämpft Schallers Kollegin Angelika gegen eine veritable Lebenskrise an: Nachdem die sonst so resolute Polizistin bei einer Observation von hinten niedergeschlagen wurde, zweifelt sie an der Sinnhaftigkeit ihres Berufs. In nächtlichen Gesprächen im Biergarten mit ihrem eher pragmatisch veranlagten Kollegen Neuhauser kommt ein Burn-out zutage.

Es menschelt schon sehr in «Schwarze Rosen», von Regisseur Jan Fehse routiniert und stimmungsvoll in Szene gesetzt. Das Drehbuch aus der Feder von Ina Jung und Friedrich Ani («Tabor Süden») kommt dann über 90 Minuten allerdings doch ein Spur zu betulich daher. Etwas mehr Spannung und Action hätten diesem durchaus glaubwürdigen Kiez-Krimi ganz gut getan. So sitzen der verliebte Kommissar und seine etwas verwelkte «Rose von Giesing» am Ende stumm beim Piccolo und lauschen andächtig den Schnulzen von der Karaoke-Bühne.

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