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TV-Tipp

Promis erzählen Schulgeschichten

Berlin (dpa)

Es geht um Freude, Wut und Schläge: Die Schulzeit ist für viele Menschen prägend. In einer Doku über die Schulgeschichte seit 1945 blicken Prominente zurück. Was war schön - und was war «Schwachsinn»?

Gregor Gysi ging in Ost-Berlin zur Schule, seine Erinnerungen sind vor allem vom Leben in einer geteilten Stadt geprägt. Foto: Steffen Hammerich/Lona media/NDR/Arte/dpa

In wenigen Bereichen des Lebens sind sich Menschen so nah wie in Erzählungen über ihre Schulzeit. Ulrich Wickert und seine Mitschüler sangen ein Lied über den Rohrstock des Lehrers, Margot Käßmann hatte Magenschmerzen wegen Mathearbeiten - und auf dem Klo von Jella Haases Schule riecht es heute noch nach Zigarettenqualm.

In der zweiteiligen Arte-Doku «Schulgeschichten» am Donnerstag um 20.15 Uhr verraten Prominente aus Deutschland und Frankreich generationsübergreifend ihre Anekdoten. Es geht um Freundschaften und Konflikte, Gehorsam und Rebellion, Lachen und Weinen.

Schläge mit dem Rohrstock

Als der ehemalige «Tagesthemen»-Moderator Ulrich Wickert in der Nähe von Paris den Hof der Schule betritt, in die er als Jugendlicher für drei Jahre ging, ist es für ihn «wie früher», ein «sehr heimatliches Gefühl». Auch wenn nicht immer alles schön war. Wickert erinnert sich an Schläge mit dem Rohrstock kurz nach dem Krieg in der Volksschule - und zitiert ein Lied, das man damals in der Schule sang: «Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, der Lehrer hat mich blau gehauen, drum muss ich in der Ecke stehn und meine blauen Flecken zählen.»

In der DDR sollten Schüler im Rahmen des sogenannten polytechnischen Unterrichts parallel einen Beruf erlernen, um stärker mit der Arbeiterklasse verbunden zu sein, so auch Gregor Gysi als Besucher der erweiterten Oberschule im Berliner Stadtteil Adlershof. «Das war eine Schwachsinnsregelung», sagt er - und verrät die kuriose Geschichte, wie er zu einem Facharbeiter für Rinderzucht wurde.

Dabei hatte Gysi Kfz-Schlosser werden wollen - aus guten Gründen. «Es war in der DDR schon schwer, ein Auto zu bekommen. Aber noch schwerer war es, es repariert zu bekommen. Ich dachte mir: Wenn ich das alleine kann, umso besser.» So ganz unbrauchbar war die Ersatzlösung für seine spätere politische Laufbahn aber nicht, wie Gysi einmal der «Süddeutschen Zeitung» erzählte: «Ich kann mit Hornochsen umgehen.»

Auch das Schulsystem der Bundesrepublik stand immer wieder in der Kritik. «Wir befinden uns von der abschüssigen Bahn vom Bildungsnotstand in die Bildungskatastrophe», wird in der Doku etwa ein Pädagoge von 1964 zitiert. Der Film bemüht sich, neben den persönlichen Anekdoten der Prominenten aus einer Vogelperspektive heraus auch die Probleme der verschiedenen Schulwelten aufzuzeigen. Bei dem für knapp 90 Minuten Sendezeit sehr ambitionierten Zeitstrahl von 1945 bis 2015 reicht es aber nur für knappe Einblicke.

Was die Schüler in diesen bewegten Zeiten tröstet: Sie sind im Kreise ihrer Schulkameraden mit ihren Sorgen und ihrem Ärger nie allein. Die Doku zeigt: Die Schule ist bis heute ein Ort, der einer Gesellschaft in jungen Jahren, bevor es dann richtig kompliziert wird, noch eine dicke Tube Kitt liefert. Oder wie Schauspielerin Jella Haase («Fack Ju Göhte») es so schön einfach sagt: «Alle sind total unterschiedlich, aber gehen gemeinsam in diese Schule rein.»

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