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Sky-Serie

Reality-Stars in der Realitäts-Hölle

Diese Serie hat Emmys abgeräumt wie keine vor ihr: In der kanadischen Sitcom «Schitt’s Creek» entdecken Menschen von ganz oben den Alltag ganz unten. Natürlich geschieht das nicht ganz freiwillig.

dpa

«Schitt's Creek» mit Catherine O’Hara (l-r) als Moira Rose, Annie Murphy als Alexis Rose, Eugene Levy als Johnny Rose und Daniel Levy als David Rose. Foto: dpa

Berlin (dpa) - Familie Rose lebt in Saus und Braus. Vater Johnny (Eugene Levy) ist mit einem Videotheken-Imperium reich geworden. Seine Frau Moira (Catherine O'Hara) hat nationale Berühmtheit damit erlangt, dass sie in einer Seifenoper kräftig Ohrfeigen ausgeteilt hat.

Ihre Kinder hängen noch am Rockzipfel: David (Dan Levy) ist Galerist, seine Schwester Alexis (Annie Murphy) ein It-Girl mit einem Reeder-Sohn an der Angel. Das Champagner-Leben mit Prachtvilla und Dienerschaft zerbricht an dem Tag, als die Finanzfahndung vor der Tür steht. So beginnt die neue Sky-Serie «Schitt’s Creek» aus Kanada.

Johnny Rose ist von seinem Geschäftsführer übers Ohr gehauen worden. Der Staat nimmt ihm und seinen Liebsten alles, was sie nicht am Körper und im Koffer davontragen können. Alles, bis auf eines. 1991 hat Johnny ein Kaff namens Schitt’s Creek gekauft. Das war damals als lustige Geburtstagsüberraschung gedacht, bedeutet der Name doch sinngemäß, dass man dort bis zum Hals in der Scheiße sitzt. Das wird nun traurige Realität. Die Familie Rose fährt im Überlandbus in den Flecken, den die Finanzbehörde ihr als einzigen Wert ließ. Und muss in einem schäbigen Motel von vorn anfangen. Stoff für viel Chaos.

Eugene und Dan Levy sind auch in Wirklichkeit Vater und Sohn, wie nicht nur ihre buschigen Augenbrauen verraten. Dem früheren MTV-Moderator Dan kam die Idee für «Schitt’s Creek», als er Reality-TV guckte. «Ich dachte darüber nach: Was würde eigentlich geschehen, wenn eine dieser wohlhabenden Familien über Nacht alles verlieren würde? Wären die Kardashians ohne ihr Geld immer noch die Kardashians?» Als Dan dann auf einen Artikel über Schauspielerin Kim Basinger stieß, die Ende der 1980er glücklos in ein ganzes Dorf investiert hatte, entwickelten er und sein Vater das Serien-Konzept.

Beim wichtigsten Fernsehpreis der Welt, dem Primetime Emmy Award, stellte «Schitt’s Creek» im Herbst 2020 gleich drei Rekorde auf. Die Serie räumte alle sieben Auszeichnungen im Comedy-Bereich ab. Und was auch noch nie da war: Alle vier Preise für die besten weiblichen und männlichen Haupt- und Nebendarsteller gingen an die Schauspieler einer Serie - also an die Levys, Catherine O'Hara und Annie Murphy. Zuletzt hat auch nie zuvor eine Serie in einer Staffel so abgeräumt.

Dass «Schitt’s Creek» so erfolgreich ist, ist nicht nur dem guten Skript zu verdanken. Bis in kleine Rollen ist das Casting großartig. Das Gesicht des neurotischen Bürgermeisters Roland Schitt kennt man noch aus der US-Komödie «Und täglich grüßt das Murmeltier» (1993). Chris Elliott hatte damals den schleimigen Kameramann Larry gespielt.

In Schitt’s Creek verteidigt er als Bürgermeister mit allen Mitteln das seltsame Ortsschild: Auf dem Bild ist - für unbescholtene Betrachter ziemlich eindeutig - ein altertümliches Pärchen am Fluss beim Sex von hinten zu sehen. Das habe nichts Böses zu bedeuten und nichts mit Sex zu tun, winkt Roland Schitt ab. Und löst das Problem auf seine Weise. Mit dem Hinweisschild: «Das ist seine Schwester.»

© dpa-infocom, dpa:210408-99-123982/2

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