1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Fernsehen
  6. >
  7. Sympathieträgerin in Orange

  8. >

„Sendung mit der Maus“ wird 50

Sympathieträgerin in Orange

Sie macht ihr Publikum Sonntag für Sonntag schlauer, hat einen Orden vom Bundespräsidenten, war schon drei Mal im Weltraum und verzückt mit ihrem Augenaufschlag: An diesem Wochenende wird die „Sendung mit der Maus“ 50 Jahre alt. Nicht nur ein Fall für Kinder.

Doerthe Rayen

Die „Sendung mit der Maus“ wird 50 Jahre alt. Foto: WDR - Michael Schwettmann

Wenn Armin Maiwald davon spricht, dass „das Maus-Team recherchiert, bis der Arzt kommt“, dann meint er vor allem das: absolut gründliches Arbeiten. Deshalb braucht es schon mal Jahre, um Antworten auf eine einzige Frage zu finden. Oder provoziert sogar einen Streit unter Gelehrten. Das war der Fall, als das Maus-Team des WDR Mitte der 1990er Jahre herausfinden wollte, warum sich Geschenkband kräuselt.

Das kräuselnde Geschenkband

Heute schmunzelt der Filmemacher, der von Anfang an dabei ist, über das Theater von einst. Es hat dem Team aber eine folgenschwere Erkenntnis gebracht: Ein Experte allein genügt nicht, um sich Phänomene des Alltags er­klären zu lassen. Das Maus-Team holt seitdem immer eine zweite Meinung ein – sicher ist sicher. Das Kräuseln liegt tatsächlich nicht an Wärme, wie Experte Nummer 1 damals glaubhaft versichert hatte, sondern an Material­verschiebung. Und die hat die Fachholschule Aachen mit einem Team von Studenten und Professoren schließlich unter dem Mikroskop sichtbar gemacht.

Kindern und Erwachsenen wird die Welt erklärt

Seit 50 Jahren erklärt „Die Sendung mit der Maus“ Kindern die Welt. Am 7. März 1971 wurde die erste Folge im Fernsehen ausgestrahlt. Bis heute werden Maus-Fans, zu denen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zählen, Sonntag für Sonntag ein bisschen schlauer. Tatsächlich liegt das Durchschnittsalter vor dem Fernseher bei 40 Jahren – weil offenbar die Kinder nicht allein gelassen werden, sondern Eltern und Großeltern die Sendung mitverfolgen.

Wie kommt das Salz an die Salzstange?

Die Geschichten sind so bunt wie das Leben. Mal geht es um das Salz an Salz­stangen, dann um die Autowaschanlage oder die Ampelschaltung für Rettungswagen. Auch mit ernsten Themen wie Tod, Trauer, Krankheit beschäftigen sich die Maus-Macher. Die saubere Recherche ist für Armin Maiwald ­wesentlich für eine gute Sachgeschichte.

Armin Maiwald

„Wir nehmen die Kinder ernst und fühlen den Wissenschaftlern auf den Zahn“, sagt er. Erzählt wird stets eine Geschichte – mit Anfang, Höhepunkt und Ende. Dabei geht es weniger ums Belehren denn um Unterhaltung, betont Christoph Biemann. Der Mann im grünen Pulli ist seit 1982 auch vor der Kamera dabei und scheut sich nicht, für so manche Geschichte immer und immer wieder nass zu werden.

Das Team hinter der Maus

Das Maus-Team ist über die Jahre größer geworden. Zu den „Männern der ersten Stunde“ gehören längst auch Frauen. Die jüngste im Moderatoren-Team ist Clarissa Corrêa da Silva. Zwischen ihrem Alter und dem von Maus-Vater Armin Maiwald liegen genau die 50 Jahre, die die Maus jetzt alt wird. Die 30-Jährige hat als kleiner Stöpsel ­selbst sonntags die Lach- und Sach­geschichten angeschaut. „Das Maus-Team ist wie ein Mehrgenerationenhaus. Die Maus ist die Verbindung für uns alle“, sagt sie.

Das Geheimnis der Sendung? Das sei zunächst die Maus und ihre pfiffige Art, ­Dinge anzugehen. Vor allem ist sie ihren Prinzipien in 50 Jahren treu geblieben. In all den Jahren, wo Kinderfernsehen bunter, schriller, schneller geworden ist, geht die Maus langsam und Schritt für Schritt vor. Sie kommt – tak-tak – und sieht – klack-klack. Und schnieft. Sie spricht nicht. Wozu auch, sie hat ja Armin, Ralph, Clarissa und all die anderen netten Maus-Menschen an ihrer Seite.

Clarissa Corrêa da Silva

Maus-Ausnahme im Lockdown

Dennoch ist die Maus mit der Zeit gegangen. Sie taucht bei Facebook, Twitter und Instagram auf. Es gibt eine Maus-App. Auch im Radio ist der wissbegierige Nager aktiv. Für neue Themen ist die Sympathie­trägerin offen. Sie beschäftigt sich mit der Cloud, in der Daten gespeichert werden, ­genauso wie mit Corona. Im Lockdown 2020 gab es die Maus deshalb sogar täglich im Fernsehen – eine Ausnahme in 50 Jahren. Zum Geburtstag bekommt die Maus einen Super-Sonntag – inklusive Jubel-Feste bis in den Oktober hinein. „Ich wünsche der Maus, dass das Fell orange bleibt, die Ohren braun und dass ihr Gehirn funktioniert.“ Maus-Kenner wissen: Das kann nur Armin Maiwald seiner Maus wünschen!

Startseite
ANZEIGE