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TV-Tipp

Tragikomödie im Ersten: «Sterben ist auch keine Lösung»

Berlin (dpa)

Ein schwerkranker Mann beschließt, aus dem Leben scheiden zu wollen. Doch dann begegnet ihm eine lebenslustige Frau. Was nun geschieht, das erzählt eine gelungene Tragikomödie im Ersten.

Von Klaus Braeuer, dpa

Eine schicksalshafte Begegnung: Hermann (Walter Sittler) und Hanne (Andrea Sawatzki). Foto: Ben Knabe/ARD Degeto/dpa

«Du bist in tiefer Mitternacht.» Mit dieser schwermütigen Erzählung langweilt der sonderbare Ex-Bibliothekar Hermann Weber (Walter Sittler) die Zuhörer eines Buchclubs. Sie sind vor einem Kamin versammelt und lauschen mehr oder minder ergriffen. Der Mann ist eben ein ziemlicher Misanthrop und möchte sich keineswegs am «allgemeinen Kulturverfall» beteiligen.

Wenig später erhält Weber eine schlimme Krebsdiagnose, lehnt aber jegliche Form einer Behandlung ab, da seine Frau vor 30 Jahren ähnliches durchgemacht hat und trotzdem gestorben ist. Doch es kommt anders, als von dem Kranken geplant, wie die Tragikomödie «Sterben ist auch keine Lösung» zeigt. Sie läuft am Freitag um 20.15 Uhr im Ersten.

Der Anruf bei einem Sterbehilfeverein in der Schweiz führt zu nichts, auch das Einnehmen von Morphiumpillen scheitert. Selbst seiner Tochter und dem Enkelsohn, zu denen er schon lange keinen Kontakt mehr hat, vermag er sich nicht mitzuteilen.

Eine neue Frau tritt in sein Leben

Der Witwer lebt also allein - und wird zunehmend immer wunderlicher. Bis eines Tages im Lesekreis eine neue Frau auftaucht, die rothaarige und etwas exzentrische Hanne (Andrea Sawatzki). Sie drückt ihm ein Buch in die Hand, das für ihn zur Trivial-Literatur zählt und in dem es um eine Frau geht, die alle ihre Ehemänner unter die Erde gebracht hat und jetzt deren Erbe durchbringt. Da er sie für die Autorin hält, sucht er ihre Bekanntschaft in vager Hoffnung, dass ihn ein ähnliches Schicksal ereilen möge. Woraus selbstverständlich nichts wird.

Von der Wiederentdeckung des Lebens erzählt Regisseur Ingo Rasper (48, «Liebe ist unberechenbar») hier wirklich ganz schön, mit einigen gut sitzenden, nahezu sprühenden Dialogen und Wortbildern (Buch: Matthias Lehmann), allerhand gestammelten Entschuldigungen und einem geradezu bahnbrechenden Tanzabend. Das ist überaus charmant und mit leisem Humor erzählt, zudem mit unaufdringlicher Klaviermusik unterlegt.

Darüber hinaus wird sehr hübsch die Wiederannäherung von Opa und 15-jährigem Enkel erzählt, nachdem sie sich zuvor gegenseitig versichert haben, dass sich ihre Generationen weder etwas zu sagen haben, noch sich überhaupt irgendwie helfen können.

Walter Sittler (70, «Der Kommissar und der See», «Der Liebhaber meiner Frau») spielt einen sehr verschlossenen Stinkstiefel, der - mit wirrem Haar und tiefen Augenringen - ganz in seine Bücherwelt versunken ist und mit seinem - nicht vorhandenen - Luxus angibt, bis er sich neu verliebt, anstatt sich umzubringen.

Andrea Sawatzki (59, «Familie Bundschuh», «Sprachlos in Irland») gibt ganz vortrefflich eine lebenslustige Frau, die mit farbenfroher Kleidung und einem mintgrünen Citroen DS scheinbar munter durchs Leben kommt. Doch sie ist natürlich beileibe keine Schwarze Witwe, und er genauso wenig ein Hochstapler. Denn schließlich ist das Leben eben doch keine Schmonzette - und dieser schöne Film zum Glück auch nicht.

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