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TV-Tipp

Ungewöhnlicher Thriller: «Ein Mann unter Verdacht» auf 3sat

Berlin (dpa)

Kurz nach ihrer Geburtstagsfeier verschwindet eine Frau. Ihr Ehemann gibt eine Vermisstenanzeige auf. Doch bald rückt er selbst ins Visier der Ermittler. Die Beweislage ist dünn. Hat er sie getötet?

Von Klaus Braeuer, dpa

Kommissar Andreas Roth (Peter Kurth, r) glaubt Thomas Altmann (Mark Waschke) kein Wort. Foto: Marion von Der Mehden/3sat/dpa

Für gewöhnlich geschieht zu Beginn eines TV-Krimis ein Mord, dann fängt die Suche nach dem Täter an. Hier läuft es anders: Im Thriller «Ein Mann unter Verdacht» taucht im ganzen Film keine Leiche auf.

Zu sehen ist er am Dienstag um 20.15 Uhr auf 3sat. Es ist eine Wiederholung aus dem Jahr 2016, aber so ziemlich das Überzeugendste, was Fußball-Muffel an diesem Abend sehen können.

Es beginnt auf einer Geburtstagsfeier

Ein Mann läuft allein durch einen Wald, während eine blonde Frau vor Gericht einen Prozess gewinnt. Am warmen Spätsommerabend dieses Tages treffen sich die beiden im Haus des Mannes: Es gehört dem Architekten Thomas Altmann (Mark Waschke), die Frau ist die Anwältin Lavinia Bertok (Petra Schmidt-Schaller). Gemeinsam mit Freunden feiern sie den 40. Geburtstag von Thomas' Frau Anja (Deborah Kaufmann), doch die Party endet mit einem Streit der beiden Eheleute.

Zwei Tage später ist Anja spurlos verschwunden, und sofort nimmt Kommissar Andreas Roth (Peter Kurth) die Ermittlungen auf - den Verdacht der Entführung oder gar des Mordes erhebt Anjas Vater (Hanns Zischler). Er nimmt kurzerhand seinen Enkel Anton (Aljosha Lange) zu sich. Anjas Wagen wird verlassen am Flughafen gefunden, in der Küche ist Blut von ihr, und Thomas' Wagen wird beschlagnahmt - er war kurz zuvor innen gründlich gereinigt worden.

Regisseur Thomas Stuber («Herbert») und Autor Stefan Kolditz («Das Geheimnis des Totenwaldes») haben die fesselnde und wendungsreiche Geschichte fantasievoll in Szene gesetzt - man weiß als Zuschauer bis kurz vor Schluss überhaupt nicht, wer welche Ziele verfolgt, wer hier gegen wen ist. Selbst die Rolle der Kripobeamten ist zwielichtig: Sie scheinen mit Anjas Vater unter einer Decke zu stecken. Sie verhören Altmann allein im Wald und erzählen ihre Variante der Geschichte, in der er der Mörder in einem nahezu perfekten Verbrechens ist.

Es könnten aber auch die beiden Frauen, also Anja und Lavinia, alles inszeniert haben. Selbst Lavinia, die Thomas Altmann als befreundete Anwältin zur Seite steht, spielt also eine zwielichtige Rolle. Die meisten Szenen sind in düsteren Tönen gehalten, die Musik (Bert Wrede) ist nie aufdringlich, die Kulissen sind kühl - vor allem das Haus der Familie Altmann wirkt sehr kalt.

Ein perfektes Verbrechen?

Mark Waschke, bekannt aus dem Berliner «Tatort», spielt den Verdächtigen als einen Getriebenen, der immer weniger zu begreifen scheint, was mit ihm geschieht - bis er vor den Augen seiner Angestellten verhaftet wird. Wie verkraftet er das Verschwinden seiner Frau? «Das verrät er niemandem. ... Er versucht zu überleben», sagte der Schauspieler zur Erstausstrahlung über die Rolle.

Spannend ist es auf jeden Fall. Gab es nun einen Mord? Eine Leiche wird nicht gefunden, Zeugen gibt es keine, nur vage Spuren - liegt also ein perfektes Verbrechen vor? Die ständige Ungewissheit nagt nicht nur an der Hauptfigur, die Mark Waschke glaubhaft darstellt.

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