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TV-Tipp

Vatern ist tot: «Das Begräbnis - Jetzt wird gelebt»

Berlin (dpa)

Beerdigungen sind für die Lebenden da. Oft treten danach allerhand Abneigungen oder Geheimnisse zutage. Stoff für eine Impro-Komödie.

Von Klaus Braeuer, dpa

Patrick König (Dirk Martens, l-r), Klaus Richter (Jörg Gudzuhn), Hildegard (Christine Schorn), Lola Bäuerlein (Adina Vetter), Frank Dietze (Uwe Preuss) und Sabine (Claudia Michelsen, unten, 2.v.r.) und Anna (Anja Kling) in einer Szene des Films «Das Begräbnis - Jetzt wird gelebt». Foto: Georges Pauly/ARD Degeto/dpa

Bei Trauerreden auf Beerdigungen wird meist nur Gutes über die teuren Verblichenen berichtet. Dass es aber auch anders geht, zeigt die Tragikomödie «Das Begräbnis - Jetzt wird gelebt».

Sie läuft an diesem Freitag (20.15 Uhr) im Ersten. Der Film stellt die etwas kürzere Zusammenfassung einer sechsteiligen Miniserie dar, die im Januar linear nur die Zuschauer des Spätprogramms erreicht hatte.

Vatern ist tot. Im mecklenburgischen Dorf Lassahn am Schaalsee findet die Beerdigung des Patriarchen der Großfamilie Meurer statt, der eine geachtete Institution im Ort war. Vier Kinder aus zwei Ehen und die beiden Ehefrauen trauern mal mehr, mal weniger um ihn. Pfarrer Ernst (Thomas Thieme) berichtet in seiner Grabrede von der Flucht der Tochter Sabine (Claudia Michelsen) in den Westen, dem Verlust seines besten Freundes Klaus (Jörg Gudzuhn), der Scheidung von seiner ersten Ehefrau Hildegard (Christine Schorn) und der zweiten Familiengründung mit der deutlich jüngeren Gaby (Catrin Striebeck) aus dem Westen.

Mit dabei sind ferner Gabys Sohn Kevin (Enno Trebs) und die Ziehtochter der Verstorbenen, Anna (Anja Kling) samt Gatte Carsten (Martin Brambach). Auch der erstgeborene, aber windige Sohn Thorsten (Devid Striesow) taucht nach 20 Jahren plötzlich auf. Derweil muss der grundsolide Erbe des familiären Sanitärbetriebs, Mario (Charly Hübner), zur Beerdigung die Krawatte seines Vaters tragen. Er verspricht ihm am Sarg, Kurs zu halten.

Jan Georg Schütte (59, «Kranitz - Bei Trennung Geld zurück», «Klassentreffen») hält in jedem Fall Kurs, denn er legt hier wieder einen für ihn typischen improvisierten Film ohne Drehbuch vor. Gedreht wurde zwar nur an zwei Tagen, aber mit Vor- und Nacharbeiten hat er mehr als ein halbes Jahr mit dem Projekt zugebracht.

In einem ARD-Statement sagt er: «Meine Drehs sind ja immer eine Art Trip für die Schauspieler. Ich kam mir beim Dreh wie ein Dirigent vor, der von Konzertsaal zu Konzertsaal saust, die Instrumente dort mit zwei, drei Taktschlägen einnordet und dann auch noch im Keller, der Kantine und dem Zuschauerraum weiter dirigiert.» Seine Stimme ist zudem als Erzähler zu hören.

So bekommen alle seine Protagonisten hier ihr Fett weg, selbst der Pfarrer hat noch eine Rechnung offen und muss schließlich sein geplagtes Gewissen erleichtern. Als zur Mitte des Films das Testament verlesen wird, brechen endgültig alle mühsam aufrechterhaltene Fassaden in sich zusammen. Ansonsten wird gesungen, geredet, gedichtet, gestritten, geohrfeigt, gegessen, viel getrunken und sogar geschossen während und nach dieser einzigartigen Trauerfeier.

Das famos spielende Ensemble mit hervorragenden Schauspielern sorgt für ebenso ernste wie berührende und komische Elemente, und dennoch kam das teils absurde Geschehen in der Serie besser rüber, da es in jeder Episode aus der Sicht einer der Hauptfiguren geschildert wurde. Vatern ist zwar nun tot, sein Erbe aus Firma, altem und neuem Wohnhaus und Dorfwirtschaft ist schon beträchtlich. Das Weiterleben für die Familie wird damit nicht unbedingt einfacher - bis zum überraschenden Schluss.

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