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TV-Tipp

Wenn die Worte stolpern - ZDF-Doku über Stottern

Berlin (dpa)

Viele Menschen stottern, sie haben es schwer in unserer schnelllebigen Gesellschaft. Vom Bemühen, damit besser klar zu kommen, erzählt die Reportage «Jedes Wort ein Sieg».

Von Klaus Braeuer, dpa

Rapper Artjom in der Tonkabine - eine Szene aus «Jedes Wort ein Sieg - Mein Stottern hält mich nicht auf». Foto: Vita Spieß/ZDF/dpa

Stottern ist anstrengend, für die Betroffenen wie auch für die Zuhörer. Menschen, die sich nicht flüssig und deutlich in Worte fassen können, werden in der Gesellschaft schnell ausgegrenzt.

Dass es auch anders geht, davon berichtet die TV-Reportage «Jedes Wort ein Sieg - Mein Stottern hält mich nicht auf» aus der Reihe «37 Grad». Sie läuft an diesem Dienstag um 22.15 Uhr im ZDF.

Das Stottern hat Artjom (32) zur Musik geführt. Mit Worten jonglieren, texten, kreativ sein - all das gehört heute zu seinem Leben. Der Musiker aus Essen ist ein Kind von Einwanderern, die Eltern fühlten sich mit ihm oft hilflos.

Artjom nennt sich «Der erste stotternde Rapper Deutschlands», am Mikrofon ist er cool, schlagfertig, wirkt wie ein echter Macher mit viel Selbstvertrauen. Doch wenn er spricht, dann stolpern die Worte, und die Fassade des lässigen Künstlers bröckelt. Während er sich anfangs noch nicht traute, auf einer Bühne aufzutreten, fühlt er sich dort mittlerweile selbstbewusst und frei. Zugute kommt ihm der Umstand, dass die Stimmbänder beim Singen ständig in Schwingung bleiben und daher keine Sprechblockaden auftreten.

Auch Sina (14) stottert seit ihrer Kindheit, ihre Mutter Ilka ebenfalls, sie hat es an ihre Tochter vererbt. Im Familienalltag spielen die Sprechblockaden keine große Rolle, im Schulunterricht hingegen schon - vor allem dann, wenn Sina frei vor der Klasse sprechen muss. Je angespannter die Schülerin ist, desto schlimmer wird ihr Stottern. Ihre Lehrerin hat mit der Klasse vereinbart, dass Sina immer aussprechen darf. «Ich stottere gar nicht gerne, ich mag das überhaupt nicht», sagt sie im Film. Ihr Traum ist es, später einmal Schauspielerin zu werden - dafür arbeitet sie hart an sich und hat eine kleine Rolle in einem Schul-Musical übernommen.

Bei Angelina (21) aus Bochum stolpern die Worte seit der fünften Klasse. Über die Jahre werden die Sprechblockaden immer schlimmer, in der Schule wird sie deshalb gemobbt und ausgegrenzt. Doch mit der Unterstützung ihrer Mutter, die bereits an sich selbst zu zweifeln begann, wird Angelina jeden Tag ein kleines bisschen stärker und lernt, sich selbst zu mögen und ihr Stottern zu akzeptieren. Ihr großes Hobby ist das Schreiben, denn dabei kann sie sich sehr gut ausdrücken. Bei einer Lesung vor Publikum liest sie einen Brief an sich selbst vor.

Die Autoren Anna-Lisa Gasteier («Volle Kanne») und Christian Hestermann («History») legen einen sensiblen Film vor, der alle drei Auftretende mit viel Respekt und Interesse begleitet. Sie machen auch deutlich, dass Stottern ein neurologisches Problem ist: Die Steuerung der Sprechmuskeln durch das Gehirn funktioniert nicht reibungslos. So entstehen Wortblockaden, alles will auf einmal heraus, hinzu kommen Panik und ein gehöriges Schamgefühl - Stotterer leiden unter erheblichem Duck und Stress.

Das Stottern kann zwar nicht geheilt werden - wohl aber lässt sich mit verschiedenen Sprachtherapie-Ansätzen lernen, damit besser umzugehen. Und das gilt nicht nur für die Betroffenen, sondern auch und gerade für die Zuhörenden: Etwas mehr Geduld, Einfühlsamkeit und Verständnis sind da schon sehr hilfreich.

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