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TV-Tipp

«Wilsberg» in der Stadt, die es nicht gibt

Bielefeld (dpa)

25 Jahre lang ist Bielefeld in jeder «Wilsberg»-Folge erwähnt worden. In Folge 64 bekommt der Hobbydetektiv die Stadt nun auch mal zu sehen.

Von Carsten Linnhoff, dpa

Alex Holtkamp (Ina Paule Klink) bittet Georg Wilsberg (Leonard Lansink) um Hilfe. Foto: Thomas Kost/ZDF/dpa

Knallharte «Wilsberg»-Fans haben rund 25 Jahre auf diesen Moment gewartet. Der ZDF-Krimi spielt zwar in Münster. Doch in jeder seit 1995 ausgestrahlten Episode über den kauzigen und ständig klammen Privatdetektiv Georg Wilsberg ist Bielefeld erwähnt worden.

Die Einwohner der zwei Großstädte im Münsterland und in Ostwestfalen verbindet eine immerwährende Rivalität. Martin R. Neumann ist der zuständige «Wilsberg»-Redakteur beim ZDF. Als gebürtiger Bielefelder konnte er sich den Einbau der ständigen Erwähnung nicht verkneifen.

Folge 35 hatte bereits die «Bielefeld-Verschwörung» aufgegriffen. Der moderne Mythos, ursprünglich ein Partygag, besagt, dass die 330.000-Einwohner-Stadt gar nicht existiert. Das gilt inzwischen als widerlegt. Daher konnte die Folge 64 mit dem Titel «Ins Gesicht geschrieben» aus dem Jahr 2019 einen Schritt weiter gehen.

Es geht um Datenschutz

Der Krimi am Samstag (ZDF, 20.15 Uhr) spielt komplett in Bielefeld - rund 80 Kilometer entfernt von Wilsbergs Antiquariat. Dabei packen Dominic Müller (Regie) und Mario Sixtus (Drehbuch) ein heißes Eisen an. Es geht um Datenschutz und all das, was jeder freiwillig über sich im Netz preisgibt. Die (fiktive) App Face23 sammelt alles und spuckt Erschreckendes nach einem Gesichtsscan über die Person aus.

Sixtus, Grimme-Online-Preisträger 2007 für den Handelsblatt-Video-Blog «Elektrischer Reporter», ist nicht nur Drehbuchschreiber, sondern auch Filmemacher und Journalist. Er weiß, dass der Stoff dieser Wilsberg-Folge keine Zukunftsvision ist, sondern längst Realität. Die Algorithmen von Facebook, Amazon, Google und Co. wissen bereits mehr über uns als uns lieb ist. Der in Bielefeld ansässige Verein Digitalcourage wird sich freuen. Er vergibt einmal im Jahr den Negativ-Preis «Big Brother Award» und beklagt genau das, was diesen ZDF-Samstagskrimi im Kern ausmacht.

Und so fährt das Wilsberg-Team erstmals nach Bielefeld. Der eine (Oliver Korittke als Ekki Talkötter) will einen alten Kumpel beim Finanzamt treffen, der andere (Roland Jankowsky als Overbeck) sich in Sachen Digitale Ermittlungen bei der Polizei profilieren. Und Ina Paule Klink als Alexandra Holtkampf wirft sich in die Arme des schmierigen Firmenchefs und späteren Opfers. Für Kommissarin Springer, gespielt von Rita Russek, war kein Platz mehr in den vielen verworrenen Erzählsträngen. Die Auflösung der Geschichte am Ende kommt hingegen überraschend gelungen daher.

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