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TV-Tipp

ZDF-Doku zeigt Suche nach Selbstoptimierung

Berlin (dpa)

Eine «37 Grad»-Reportage begleitet vier Menschen, die unterschiedliche Leben führen und doch alle eines gemeinsam haben. Perfektion - oder besser: der Wunsch danach - hat viele Gesichter.

Von Antje Raupach, dpa

Sophia Thiel beim Fotoshooting mit ihrem Kameramann «Andi» Andreas Zitt. Foto: Josef Mayerhofer/ZDF/dpa

«Ich will der CEO meiner eigenen Gesundheit sein», sagt Andreas. Der 48-Jährige meint damit, das System Körper als eine Möglichkeit zu nutzen, um sich so gut zu fühlen wie möglich.

Das erklärt er in der knapp 30-minütigen «37 Grad»-Dokumentation «Die Ich-Vermesser - Selbstoptimierung um jeden Preis?» (Dienstag, 19.4., 22.35 Uhr im ZDF).

Start in der Eiswasser-Truhe

Um dieses Ziel zu erreichen, isst Andreas nur einmal am Tag, steigt am frühen Morgen in eine mit Eiswasser gefüllte Truhe und nimmt an seinem Körper viele Messungen vor. Denn nur anhand von Messungen kann er feststellen, ob eine Veränderung was bringt oder nicht, sagt der Coach und Biohacker. So nennt man Menschen, die mit technischen Hilfsmitteln in das System Körper eindringen wollen, um es für sich positiv zu verändern.

Seinem Gefühl vertraut der 48-Jährige kaum. Lieber führt er ein Leben in Routinen - und wirkt dabei getrieben. Wo fing das an, was ist passiert? Die Antwort liefert in dem Film seine Ex-Frau: Andreas lebte demnach ein Leben in Ruhe- und Maßlosigkeit, berichtet sie. Das sei jetzt besser geworden. Und es wird klar, dass dieses neue Leben für Andreas auch einen Anker bedeutet.

Auch die Fitness-Influencerin Sophia Thiel tritt im Film auf. Sie, die 2019 plötzlich von der Bildfläche verschwand und sich zwei Jahre später mit einem Buch und dem Geständnis einer Essstörung zurückmeldete. Die 27-Jährige erzählt von ihrem Streben nach Perfektion und beschreibt, wie die versteckten Kekspackungen früher im Kinderzimmer immer häufiger zur Kompensation ihrer Emotionen diente. Und wie sie nie Nein sagen konnte und auf viel verzichtete auf ihrem Weg zur gefeierten Influencerin. Sie schildert all das präzise und selbstreflektierend - fast wie eine Maschine.

Rohkost im Bulli

Auch Karina (31) und Philip (32) aus Braunschweig sind konsequent darin, ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen. Für das Paar bedeutet das ein Leben ohne viel Besitz. Karina hat ihren Job als leitende Angestellte gekündigt, ihre Eigentumswohnung verkauft, ernährt sich ausschließlich von Rohkost und will mit ihrem Freund künftig in einem Bulli leben, um den Fokus auf sich und die Natur zu lenken, wie beide sagen.

Die Kamera ist dabei, als Karina in ihrer verkauften Wohnung die letzten Habseligkeiten zusammenpackt - ein Dirndl ist auch dabei. «Mit der Einstellung, die ich jetzt habe, werde ich wahrscheinlich kein Dirndl mehr tragen», sagt sie mit einem Hauch Melancholie in der Stimme, während ihre besorgte Mutter, die zu Besuch ist, im Hintergrund seufzt und ein paar Tränen vergießt.

Jeder hat eben eine eigene Vorstellung von einem Leben in Zufriedenheit. Und manche finden sie unter anderem in einem Teller Zucchini-Nudeln mit kalter Mango-Avocado-Soße - so wie dieses Paar.

Was alle Protagonisten eint, ist die Tatsache, dass ihr Lebensweg von Extremen gepflastert ist. Und es ist erstaunlich, wie diese nur knapp halbstündige Doku es schafft, einen Eindruck davon zu vermitteln - man geht mit, fühlt mit. Glücklich oder unglücklich? Der Film liefert einige Momente, in denen Zuschauer die Antwort ahnen können.

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