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TV-Tipp

Zirkusluft macht süchtig: ZDF-Doku «Tanz auf dem Seil»

Berlin (dpa)

Vor allem Familien mit kleinen Kindern gehen gern in den Zirkus. Doch auch der steckt - in einer veränderten Unterhaltungswelt - in der Krise. Davon erzählt eine interessante TV-Reportage.

Von Klaus Braeuer, dpa

Die Artistin Deborah Lauenburger mit Söhnchen Antonio in einer Szene der Reportage «37 Grad: Tanz auf dem Seil». Foto: Mike Pohle/ZDF/dpa

Bunte Zelte stehen am Rheinufer von Düsseldorf. Der Name Roncalli ist einer der schillerndsten in Deutschland, Bernhard Paul (75) gründete den Zirkus Roncalli im Jahre 1975.

Vivian (31) ist die älteste Tochter ihres berühmten Vaters; sie ist quasi unterm Zelt aufgewachsen - wie bei allen Zirkuskindern stand schon früh fest, dass auch sie in die Manege geht. Dort hat sie das Publikum als Rollschuh-Artistin und mit Luft-Akrobatik in schwindelerregender Höhe fasziniert. Doch mittlerweile muss sie immer öfter Aufgaben in der Unternehmensführung übernehmen. Von diesem Umbruch in einer Traditionsbranche erzählt die TV-Reportage «Tanz auf dem Seil» aus der Reihe «37 Grad», zu sehen am Dienstag um 22.15 Uhr im ZDF.

Eine Branche ändert sich

Gemeinsam mit ihrem Bruder Adrian lässt Vivian durchblicken, dass ihr Über-Vater noch nicht so recht loslassen möchte. Bernhard Paul hat 2018 die Arbeit mit Tieren abgeschafft, Elefanten oder Pferde tauchen nur noch als Hologramme auf der Leinwand auf.

Auch an der Elbe in Magdeburg stehen Zirkuszelte, sie gehören dem Zirkus Paul Busch. Hier arbeitet Deborah Lauenburger (25), sie unterhält das Publikum mit spektakulären Kunststücken auf dem echten Pferderücken. Ihr halbjähriger Sohn Antonio ist überall dabei, ob beim Training oder während der Vorstellung. Kindererziehung ist in der Zirkuswelt offensichtlich kein Grund, kürzer zu treten. Deborah ist mit Carlito, einem der Söhne des Chefs Henry Frank, verheiratet, der als Clown auftritt. Während der langen Monate der Pandemie fehlte ihr oft ein Lebenselixier - Applaus: «Wer einmal den Duft der Sägespäne im Zirkuszelt gerochen hat, den lässt es nicht mehr los.»

Clowns, Artisten, glitzernde Kostüme, viele verschiedene (Wild-)Tiere: Der Zirkus hat Menschen schon immer zum Träumen gebracht, die Besucher strömten in Massen zum Zirkuszelt. Das ist heute nicht mehr ganz so, denn mittlerweile gibt es vielerlei Konkurrenz: Spielekonsolen, Streamingdienste und teils geradezu akrobatische private Sportangebote.

Hinzu kommt, dass insbesondere die Rolle der Frau im Zirkusleben noch immer sehr traditionell zu sein scheint. Auch die Tierhaltung im Zirkus ist sehr umstritten, und das Wanderleben im (zwar meist recht komfortablen) Zirkuswagen kann obendrein recht anstrengend sein. Das alles schreckt möglichen Nachwuchs von außen immer mehr ab.

Die Autoren Thomas Müller und Daniela Fonrobert («Sommer, Sonne, Urlaubsglück») legen ein interessantes Porträt zweier engagierter Frauen vor, denen es nicht so sehr um Geld und Macht zu gehen scheint. Sie kämpfen vielmehr jeden Tag um den Erhalt ihrer Betriebe. Vivian und Deborah hoffen weiter auf eine Manegenwelt voller Kinder, die mit ihren Eltern in den Zirkus kommen: Herrrrreinspaziert!

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