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Der Dokumentarfilm „Hello I Am David“ feiert in Münster unter Applaus Premiere

Großes Staunen im Hier und Jetzt

Münster

Zwischen Staunen, Begeisterung, Freude und vielleicht auch der einen oder anderen Träne der Rührung: Der Film „Hello, I Am David“, der am Freitagabend im Schlosstheater in Münster Premiere feiert, löste beim Publikum tiefe Gefühle aus. „Ich war noch nie so ergriffen von einem Film“, gestand eine 76-jährige Dame im folgenden Gespräch mit Regisseurin Cosima Lange. Die junge Filmautorin zeigte sich von derart guter Resonanz angetan und erzählte Wissenswertes aus der Zeit der Produktion des Streifens, der den autistischen Pianisten David Helfgott über eine Konzerttournee hinweg porträtiert.

unseremRedaktionsmitgliedJohannes Loy

Filmregisseurin Cosima Lange begleitete den Pianisten David Helfgott auf einer Konzerttournee und stellte ihren Film einem beeindruckten Publikum in Münster vor. Foto: Johannes Loy

„Der Schlüssel zum Film war sicher seine Frau Gillian“, erläuterte Lange. Die etwa 15 Jahre ältere Frau des Pianisten, der nach Irrwegen in psychiatrischen Anstalten durch die Liebe von und zu dieser Frau wieder auf den Weg der Musik und damit in ein erfülltes Leben zurückfand, lud Lange damals ins Urlaubsdomizil in die Toscana ein. Nach fünf gemeinsamen Tagen dort stand fest, dass der Dokumentarstreifen entstehen würde. Ein Glücksfall nicht nur für Musikfreunde, sondern für Menschen, die das Menschelnde lieben und die Liebe als Motor gelingenden Lebens begreifen wollen. Die Zuschauer sehen einen Pianisten, der im Grunde wie ein unbedarftes Kind staunend durch Natur und Städte streift, jeden umarmt und ungetrübte Zuversicht verströmt. Seine Klavierkunst ist nicht aseptisch und lupenrein, aber höchst virtuos und vor allem mit ganzer Hingabe und letztem Risiko gepaart. Das hat auch den münsterischen Dirigenten Matthias Foremny fasziniert, der Helfgott zusammen mit den Stuttgarter Philharmonikern bei Konzerten in Deutschland und Österreich begleitete und dessen Familie am Freitag ebenfalls zu den Zuschauern im Schlosstheater zählte. „Er hat den Mut gehabt, sich darauf einzulassen“, sagte Cosima Lange anerkennend. Im Film ist zu erkennen, wie sich der 43-jährige Foremny auf den impulsiven Pianisten einstellt und etwa in Rachmaninows drittem Klavierkonzert mit ihm und den Philharmonikern eine rauschhafte Musik hervorzaubert, die das Publikum von Wien bis Leipzig jubeln lässt.

So ist der Film eine gelungene Melange aus feurigen Konzertszenen mit einem unermüdlich sprechenden, rennenden und Leute begrüßenden David Helfgott, der sich am Klavier in einen Rausch hineinsteigert, und privaten Szenen, die aber nie voyeuristisch wirken, sondern zum Schmunzeln einladen. Wenn Helfgott Hinz und Kunz umarmt, im Hotel Teebeutel oder Kulis einsteckt oder mit seiner geduldigen Frau Gillian über eine Cola-Flasche streitet, die er gern unter dem Klavier oder in seinem Pullover deponiert.

Der Film entwickelt sich letztlich auch zu einem Lehrstück über die Wunder des Lebens und der Sonderbegabung, die sich hier in besonders liebevoller Weise abseits der bekannten Pfade Bahn bricht. Wenn man von David Helfgott eines lernen kann, dann vor allem dies: Ganz in der Gegenwart zu leben und für jeden Augenblick dankbar zu sein.

Zum Thema

Der Dokumentarfilm startet im Programm des Schlosstheaters in Münster am 21. Januar und läuft dann auch in über 40 deutschen Kinos an.

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