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„Eine Nacht in Helsinki“: Tragikomödie

Alles in einer Bar

Drei Männer reden während des Corona-Lockdowns über Gott, die Welt und persönliche Probleme. Herausragende Tragikomödie von Mika Kaurismäki über menschliches Miteinander in Krisenzeiten.

Von Hans Gerhold

Drei Kumpels in der Corona-Bar freuen sich, dass auch mal eine Frau hereinschneit. Foto: Arsenal

Die Brüder Kaurismäki stehen wie niemand sonst fürs finnische Kino, auch wenn es andere sehenswerte finnische Filme gibt. Neben dem unerreichten Stilisten Aki („Der Mann ohne Vergangenheit“, „Wolken ziehen vorüber“) sorgt Bruder Mika für Finnen-Flair. So in der schwarzen romantischen Komödie „Scheidung auf Finnisch“ und dem Historiendrama „The Girl King“. In „Amazon“ verliert sich Kari Väänänen gar im brasilianischen Urwald.

Mika, der zwei Jahre in Brasilien eine Bar betrieb, hat selber eine in Helsinki, die seit jeher „Corona“ heißt. Diese echte Heimstatt aller Melancholiker aus dem Norden ist einziger Schauplatz der Tragikomödie „Eine Nacht in Helsinki“, in der nur der erzählerische Rahmen vorgegeben war und die Schauspieler improvisierten. In der Bar reden drei Männer über Gott, die Welt und persönliche Probleme, bis der Morgen kommt.

Heikki (Pertti Sveholm) hat wegen des Corona-Lockdowns schon lange keine Gäste mehr, ist verschuldet und wird wohl die Bar schließen, wenn nicht abfackeln müssen. Für den Abend wartet er mit großem Gedeck auf die Tochter, die nicht kommt. Stattdessen schneien erst der befreundete Arzt Risto (Kari Heiskanen) nach einer grauenhaften Schicht in der Klinik und dann ein Fremder herein, der sich Juhani (Timo Torikka) nennt und der ein von der Polizei gesuchter Mann sein könnte.

Aber es gibt nichts, was sich bei Rotwein und mexikanischem Bier nicht bereden und lösen würde. Die Improvisations-Dialoge funktionieren bestens, die Beleuchtung in der dunklen Bar schafft ideale Atmosphäre, die ab und an hereinschauenden und verschnaufenden Gäste sorgen für Auflockerung und bestimmen das Thema: trotz Krise, Viren-Krieg, Krankheit und Einsamkeit in der Abgrenzung für ein menschliches Miteinander sorgen. Das ist es, und das ist die erste gelungene Corona-Tragikomödie! Herausragend.

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