1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kino-kritik
  6. >
  7. „Moonfall”: Roland Emmerichs wirrer neuer Katastrophenfilm

  8. >

Aus der Umlaufbahn geschleudert

„Moonfall”: Roland Emmerichs wirrer neuer Katastrophenfilm

In der Werbekampagne wird dieser ungelenke Katastrophenreißer über einen auf die Erde zurasenden Mond dreist als „bester Film von Roland Emmerich seit Independence Day” annonciert – als habe dies irgendjemand behauptet außer der PR-Abteilung der Produzenten. Tatsächlich mangelt es diesem effektbeladenen Pathosspektakel an Charme, Spannung und Humor.

Von Gian-Philip Andreas

Huch, was ist denn mit dem schönen Chrysler Building passiert? Foto: Metropolitan FilmExport

Normalerweise droht unsere bedauernswerte Erde in apokalyptisch geneigten Filmen ja von Kometen ausgelöscht zu werden – Filme wie „Deep Impact“, „Armageddon“ oder jüngst der Netflix-Renner „Don’t Look Up“ sind prominente Beispiele dafür. Roland Emmerich aber, Schwabens berühmtester Hollywood-Export, beweist immer aufs Neue, dass ihm einfach alles recht ist, wenn es um die Vernichtung des Planeten geht: Riesenechsen wie „Godzilla“, Außerirdische am „Independence Day“ oder das von den Maya prophezeite Weltenende anno „2012“. Da wirkt die Idee, in seinem neuen Film zur Abwechslung mal den Mond aus seiner Umlaufbahn rutschen und auf die Erde zurasen zu lassen, fast konservativ.

Emmerich, der den Spitznamen „Master of Disaster“ wegen seiner Obsession für Katastrophenfilme verpasst bekommen hat, in denen Dialoge und Figurenzeichnung gern großflächig vom Effektgewitter weggescheppert werden, schickt diesmal einen in Ungnade gefallenen Astronauten (Patrick Wilson, „Conjuring“), die Vize-Direktorin der NASA (Oscarpreisträgerin Halle Berry) und einen nerdigen Verschwörungstheoretiker (John Bradley aus „Game of Thrones“) als letzte Rettung in Richtung des entgleisten Erdtrabanten. Dass der Verschwörungstheoretiker Recht behält, gehört ebenso zu den Konstanten in Emmerichs Filmen wie der pathetisch beschworene Familiensinn und die Selbstverständlichkeit, dass die Welt ausschließlich von US-Amerikanern gerettet werden kann.

Bevor es so weit ist, geht wie üblich bei Emmerich ziemlich viel zu Bruch beziehungsweise wird ordentlich was überschwemmt, und weil der Mond die Schwerkraft austrickst, geht der Erde auch noch der Sauerstoff flöten. Was Physiker dazu einwenden könnten, wird spätestens dann egal, wenn „Moonfall“ eine gigantische Verschwörung um prähistorische Zivilisationen und potemkinsche (Mond-)Dörfer auspackt, die in ihrer von-Däniken-haften Schwurbelei so gaga ausfällt, dass man fast Spaß daran entwickeln könnte. Aber eben nur fast. Denn am Ende, auch das ist leider Emmerich, nimmt sich diese von Pappkameraden bevölkerte Endzeit-Simulation natürlich viel zu ernst.

Startseite
ANZEIGE