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„A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe“: Origineller Liebesfilm

Außer Atem an die Côte d’Azur

Eine ältere Frau und ein junger Taschendieb erleben von Berlin bis an die Côte d’Azureine ungewöhnliche Romanze. Origineller Liebesfilm von Nicolette Krebitz, die mit vielen Anleihen bei der Nouvelle Vague leichtfüßig vom Tanz der Geschlechter erzählt.

Von Hans Gerhold

Einen Tanz der Geschlechter und Generationen führen Sophie Rois und Milan Herms auf. Foto: Komplizen Film

In ihrem letzten Film „Wild“ brachte Regisseurin Nicolette Krebitz eine junge Frau und einen Wolf zusammen. Im neuen Film geht es weniger ungewöhnlich, aber nicht weniger originell zu. „A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe“ ist ein Liebesfilm, der nicht in Kapiteln erzählt wird, wie der Titel vermuten ließe, sondern eine von der Nouvelle Vague deutlich beeinflusste Romanze zwischen einer älteren Frau und einem sehr viel jüngeren Mann.

Vor der Paris Bar in Berlin wird der Schauspielerin Anna (Sophie Rois), die es als um die 60-jährige schwer hat, an Rollen zu kommen, die Handtasche gestohlen. Später steht der Dieb vor ihrer Altbauwohnung und will Sprechunterricht. Adrian (Milan Herms) geht noch zur Schule und will für eine Aufführung fit gemacht werden. Sie kocht, er stiehlt für sie eine Designertasche, und nachdem sie sich genug berochen haben, werden sie ein Paar, das an die Côte d’Azur aufbricht.

Krebitz hat offensichtlich Truffaut und Godard von vorn bis hinten studiert. Das Paar lebt von kleinen Gaunereien („Die Außenseiterbande“), badet nackt im Meer („Pierrot le Fou“), ist im Bett vergnügt („Schießen Sie auf den Pianisten“) und genießt zwischen „Außer Atem“ und „Jules und Jim“ Liebe, Freiheit und Sehnsucht wie einst Jean-Paul Belmondo, Anna Karina, Jean Seberg, Jeanne Moreau, Oskar Werner, Charles Aznavour und Michèle Mercier.

„A E I O U“ lebt von Zitierwut und frischer Inszenierung, von der Spielfreude von Sophie Rois, mit Reibeisenstimme ein schöner Kontrast zur sanften Begierde von Milan Herms. Dass die Frau führt und Lust auslebt, kehrt das Machtverhältnis der Geschlechter nicht radikal um, ist aber in Zeiten von #meToo wohl unerlässlich bei diesem sehenswerten Tanz der Geschlechter.

        

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