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„Freibad“: Boshafte Komödie um Pseudo-Toleranz

Baden mit und ohne

In einem Frauenfreibad prallen Körper, Meinungen und kulturelle Unterschiede aufeinander, bis mit reichen Araberinnen und dem neu eingestellten Bademeister (!) die Situation eskaliert. Sehenswerte, mit spitzem Witz garnierte boshafte Komödie um Freiheit und propagierte Diversitäten in einer Pseudo-Toleranz-Gesellschaft.

Von Hans Gerhold

Gabi (Maria Happel) und Eva (Andrea Sawatzki) sparen nicht mit fiesen Kommentaren. Foto: Constantin

Der alte Wencke-Myhre-Schlager „Baden mit und ohne“ könnte gut als Motto über Doris Dörries „Freibad“ stehen, das Frauenfreibad heißen müsste, denn hier dürfen nur Frauen rein. Dennoch stimmt es; denn hier, am Ort gesellschaftlich propagierter Diversitäten, wird der viel strapazierte Begriff Freiheit von Dörrie in Form einer ihrer seit „Männer“ geliebten „Feldstudien“ da, wo Körper, Meinungen und kulturelle Unterschiede aufeinanderprallen, durchexerziert.

Wenn Freiheit aufhört, wo die Nasen der anderen beginnen, sieht es in der multikulturellen Gesellschaft mit ihrem Pseudo-Toleranzgehabe schlecht aus. Da wird unter den – das Wort muss genannt werden – wilden Weibern ins Becken geschubst, entsteht eine Massenkeilerei, greift die Polizei ein und wird, als die zickige Bademeisterin Steffi (Melodie Wakivuamina) aufgibt, ein Mann (Samuel Schneider) eingestellt, um den dann gekeift wird. Wie?

Klar, dass Dörrie mit ihrem prä- bis postfeministischen Erfahrungsschatz einige Exemplare der Spezies weibliche Wesen mit und ohne Bikini, Burkini oder Badeanzug als Spieglein der Gesellschaft vorführt. So die ehemalige Schlagersängerin Eva (Andrea Sawatzki), die als FKK-Anhängerin und Alt-68-erin mit Freundin Gabi (Maria Happel) die Speckröllchen der anderen kommentiert und von boshaften Schwestern ihr Fett abbekommt.

Oder Yasemin (Nilam Faroq), die sich von der türkischen Großfamilie und deren ewigem Massenpicknick emanzipiert und im Ganzkörpersuit ihre Traumfigur präsentiert. Oder die reichen Burka-Araberinnen aus der Schweiz, die Anlass der Keilerei werden. Oder die robuste Kassiererin, die wie Rambo reagiert und Rocky (Lisa Wagner) heißt. Oder der Streit um Grillwürstchen.

Dörrie hat das im besten ihrer Filme seit „Bin ich schön?“, „Keiner liebt mich“ und „Die Friseuse“ mit spielfreudigem Ensemble durchgebraten, mit spitzem Witz garniert und mit reichlich Platsch-Szenen gewässert. Mit dem Sound endet auch Wenckes Hit. Sehenswert.

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