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Neffe eines einsamen Onkels

„Come On, Come On”: Feinsinniges Generationendrama

Joaquin Phoenix kann nicht nur zerquälte Seelen spielen wie in „Joker”, sondern auch mal ganz normale Menschen mit ganz normaler Alltagstraurigkeit. In diesem zarten, heiter-melancholischen Reisedrama in schönen Schwarzweißbildern begleitet er als Reporter seinen neunjährigen, vorwitzigen Neffen, dessen Vater an Depressionen leidet. Ein intelligenter Mutmacherfilm ohne Kitsch und Rührseligkeit.

Von Gian-Philip Andreas

Reporter Johnny (Joaquin Phoenix) kann vom kleinen Jesse (Woody Norman) noch viel lernen. Foto: Tobin Yelland/DCM/dpa

Der einsame Radioreporter Johnny (Joaquin Phoenix) reist durch die USA, um Stimmen von Kindern und Jugendlichen einzufangen: Was denken sie über die Welt und ihre eigene Zukunft? Bald kann er das am privaten Objekt studieren, denn seine Schwester (Gaby Hoffman) bittet ihn, zeitweise auf ihren neunjährigen Sohn Jesse aufzupassen, während sie sich um dessen psychisch erkrankten Vater kümmert.

Johnny braucht eine Weile, um sich mit dem altklugen und hochintelligenten Knirps anzufreunden – dann reisen sie gemeinsam durchs Land und kommen am Ende nur noch schwer voneinander los.

Nach seinem oscargekrönten Düster-Auftritt als Batman-Gegenspieler „Joker“ und noch vor seinem wohl nächsten ikonischen Part als „Napoleon“ hatte Joaquin Phoenix sympathischerweise noch Zeit für dieses leise, unaufgeregte, von Regisseur Mike Mills („Beginners“) in poetische Schwarzweißbilder gefasste Neffe-und-Onkel-Roadmovie, das ganz ohne Kitschneigung den Mut hat, ans Herz zu rühren.

Eine Wohltat in bedrohlichen Zeiten. So toll aber Phoenix ist, so sehr ist „Come On, Come On“ doch der Film des britischen Newcomers Woody Norman, der die potenzielle Nervensäge Jesse derart facettenreich verkörpert, dass man ihr immer zugewandt bleibt. Sehenswert.

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