1. www.wn.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Kino-kritik
  6. >
  7. „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“: Trauriges Road Movie

  8. >

Kinotipp

„Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“: Trauriges Road Movie

Nach dem Tod seiner Frau reist der 90-jährige Tom Harper mit der Asche zurück an den Ort, wo für das Paar alles begann. Auf seinem Weg ins südenglische Cornwall ist das eigentliche Ziel aber die Reise selbst.  

Pensionär Tom (Timothy Spall) Foto: capelight pictures/dpa

Der deutsche Titel schlägt eine interessante Brücke zu dem älteren Hugh-Grant-Film „Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam“. Etwas länger ist der Weg, den Timothy Spall in „Der Engländer, der in den Bus stieg . . .“ nehmen muss, ein tieftrauriges Road Movie. „The Last Bus“ (Originaltitel) ist ein im Wortsinn bewegender und berührender Film über das lange Abschiednehmen eines 90-Jährigen, der die Asche seiner jüngst verstorbenen Frau Mary dahin bringt, wo alles begann.

Das ist Land’s End in Cornwall, wo Witwer Tom Harper (Timothy Spall) 1952 seine Frau kennenlernte, deren im Köfferchen in einer Keksdose transportierte Asche er dort ins Meer streuen will. Er legt die 1400 Kilometer lange Fahrt vom schottischen John O’Groats, einer ebenso zerklüfteten Gegend, in Bussen zurück, die für ihn als Rentner frei sind. Sie führen ihn an Haltestellen, die symbolisch für Momente des langen und nun zu Ende gehenden Lebens des mürrischen Tom stehen.

Road Movie voller bitterer Realität

Während der Fahrt begegnet er Personen, die im klugen Drehbuch von Joe Ainsworth etliche Schichten Englands repräsentieren: The Long Goodbye to Britain. Gilles McKinnon inszeniert das betont ruhig und im Rhythmus der stolperenden Schritte Toms und schneidet kunstvoll Stationen aus dem Leben von Tom und Mary im Jahr 1952 in die Reise. Sozialpolitisch gesehen, zeigt „The Last Bus“ hoch aktuell, wie zu kurz alte Menschen in der Gesellschaft kommen, wie sie von harten Menschen unwürdig behandelt, übersehen und vernachlässigt werden. Wer erwartet, nur schöne Landschaften zu sehen, wird um diesen Hach-Effekt gebracht. Dieses England ist trostlos, voll von Regenschauern und Wolken.

Das Ereignis des Films ist Timothy Spall, der nach seinem meisterhaften „Mr. Turner“ sichtlich abgemagert und fern des Kugelblitz-Effekts der Komödien „Still Crazy“ (als Roadie) oder „Wie in alten Zeiten“ (mit Pierce Brosnan und Emma Thompson) wie in den Filmen mit Regisseur Mike Leigh (etwa als Taxifahrer in „All or Nothing“) agiert und hier den Abschied realistisch zelebriert. Sehenswert.

Startseite
ANZEIGE