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„Das Mädchen mit den goldenen Händen“: Nachwendedrama mit Corinna Harfouch

Der Ausverkauf der Heimat

Die immer tolle Corinna Harfouch spielt eine in der DDR groß gewordene Frau, die sich zehn Jahre nach dem Mauerfall gegen den Ausverkauf ihres Brandenburger Heimatstädtchens stemmt. Toll besetzt, hätte dem Regiedebüt der renommierten Theater- und Fernsehschauspielerin Katharina M. Schubert ein bisschen mehr Fokus gutgetan.

Von Gian-Philip Andreas

Gudrun (Corinna Harfouch) will ihren Geburtstag feiern – und hat noch etwas mehr im Sinn. Foto: WildBunch/dpa

Im Jahr 1999 liegt die Wende schon ein knappes Jahrzehnt zurück, von der Aufbruchstimmung und dem Freiheitspathos kurz nach dem Mauerfall ist nicht mehr viel übrig. Eine Frau wird 60 Jahre alt, in einem nicht mehr genutzten Schlösschen in einem kleinen Brandenburger Ort will diese Gudrun (Corinna Harfouch) ihren Geburtstag feiern, allerdings hat sie noch mehr im Sinn. Denn der Bürgermeister (Jörg Schüttauf) will das Gebäude an einen Investor verkaufen, der es zu einem Luxushotel umbauen will. Viele im Ort begrüßen das. Gudrun dagegen möchte das verhindern, denn der Bau war zu DDR-Zeiten ein Kinderheim, noch dazu das Heim, in dem sie selbst aufgewachsen ist.

Solange sich die bislang als Schauspielerin bekannte Katharina M. Schubert („Ein Geschenk der Götter“) auf dieses Kleinstadtporträt besinnt und mit starker Besetzung auch in den Nebenrollen (etwa Gabriela Maria Schmeide und Ulrike Krumbiegel) das Gefühl von Identitätsverlust in östlichen Regionen umkreist, kann ihr angenehm klischeefreies Regiedebüt absolut überzeugen, zumal Harfouch ein weiteres Mal in der Rolle einer gnadenlos kontrollierten, fast hart wirkenden Mutter brilliert.

Leider schiebt sich dann aber immer mehr die Geschichte von Gudruns Tochter (Birte Schnöink, „Amour Fou“) in den Vordergrund, die sich auf die Suche ihres von der Mutter lang verschwiegenen Vaters (Peter-René Lüdicke, „Whatever Happens Next“) macht. Diese Szenen scheinen einem anderen, schwächeren Film zu entstammen.

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