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Film der Woche

„Elvis”: Der King, wie ihn sein Manager sah

Münster

Seit dem Riesenerfolg des Freddie-Mercury-Films „Bohemian Rhapsody” setzt Hollywood wieder auf Musikerbiopics – an Elvis Presley versucht sich nun Baz Luhrmann, der seit „Moulin Rouge!” als Spezialist für fantastisch choreografierte Musiknummern gilt.

Von Gian-Philip Andreas

Der King (Austin Butler) singt und tanzt, und die Damen sind aus dem Häuschen: ein typischer Elvis-Auftritt. Foto: Warner Bros.

Mittlerweile ist Elvis Presley länger tot, als er mal am Leben war, sein Mythos allerdings ist unkaputtbar, gut konserviert zwischen Madame-Tussaud’s-Wachsfiguren und zahllosen Doppelgängern, von denen man sich in Las Vegas sogar verheiraten lassen kann. Ein ernsthaft an Presleys Leben und Wirken interessiertes Biopic muss an diesem monumentalem Mythos zwangsläufig scheitern – aber, das bewies die an solchen Ansprüchen ähnlich vorbeizielende „Bohemian Rhapsody“, Spaß machen kann es schon.

Vor allem, wenn Baz Luhrmann Regie führt, dieser hochmusikalische Überschwangsregisseur, der schon Shakespeare („Romeo & Julia“) und Fitzgerald („Der große Gatsby“) verpoppte und im „Moulin Rouge!“ zu Nirvana tanzen ließ. Um gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, so etwas Vermessenes wie ein objektives Presley-Bild zeichnen zu wollen, führt er mit einem unzuverlässigen Erzähler durch den Film: Tom Hanks, mit Doppelkinn und Umschnall-Wanst, spielt Presleys Manager „Colonel“ Parker, einen Zampano vom Rummelplatz, der den 18-jährigen Elvis entdeckt und bald groß herausbringt, was einen lebenslangen Kampf zwischen Authentizität und Ausverkauf in Gang bringt.

Schematisches Biopic mit faszinierenden Musikszenen

Aus Parkers Sicht geht es trotz der Spieldauer von 160 Minuten im recht eiligen Tempo von Elvis’ Kindheit im Schwarzenviertel von Tupelo, Mississippi, und dem Durchbruch in Memphis, über die Empörung der Konservativen (nicht nur über seine sexuell aufgeladenen Moves, sondern auch darüber, dass er die weiße Jugend mit dem Sound der Schwarzen zu behelligen wagte), die Militärzeit in Deutschland, die Heirat mit Priscilla (Olivia DeJonge) und das Karrieretief bis hin zum Comeback, der Las-Vegas-Zeit, den Drogen und dem frühen Tod. Alles wird angetippt, leider aber nie näher beleuchtet.

Toll ist der Film nur dann, wenn Luhrmann Elvis’ Konzertauftritte in Szene setzt, mit seiner patentiert „mittanzenden“ Kamera und einem Hauptdarsteller, der Presley nicht nur verblüffend gut nachsingen kann, sondern auch seine Hüftschwünge und Zitterbeine perfekt nachbildet und glaubhaft machen kann, warum in den Fünfzigerjahren reihenweise junge Damen die Contenance verloren, sobald sie ihn auf der Bühne sahen. Austin Butler kannte man bisher als Schmachthaken aus Teenieserien: Hier aber deckt er souverän die 24-jährige Lebens- und Karriere-Achterbahnfahrt des „King of Rock & Roll“ ab. Imponierend.

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