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Über Tahar Rahim, den Star der Netflix-Krimiserie „Die Schlange“

Der Schrecken der Touristen

Tahar Rahim ist seit seinem Durchbruch mit „Ein Prophet“ einer der ganz großen Namen im französischen Kino. Bevor er als „Mauritanier” (hoffentlich) auf der Leinwand glänzt, kann man ihn jetzt in der Netflix-Serie „Die Schlange” als mörderischen Hochstapler bestaunen.

Gian-Philip Andreas

Der gestriegelte Hochstapler in der Serie „Die Schlange“ (Tahar Rahim) hat nette Gesellschaft (Jenna Coleman). Foto: Netflix

Er spielte in Fatih Akins „The Cut“, gab den Judas in „Maria Magdalena“, war neulich für einen Golden Globe nominiert und spielt jetzt in der Serie „Die Schlange“ den vielleicht charismatischsten Killer des Jahres. Zeit für ein kleines Loblied auf Tahar Rahim.

  • Sein Durchbruch: In Jacques Audiards wuchtigem Gefängnisepos „Ein Prophet“ fiel der in Belfort geborene Franzose mit algerischen Wurzeln 2009 erstmals auf. Wer einmal gesehen hat, wie Rahim darin die Entwicklung eines naiven jungen Kleinganoven zum Mörder und Drogenboss hinter Gittern begreifbar machte, vergisst das so schnell nicht wieder. Kein Wunder, dass das europäische Kino fortan auf ihn setzte.
  • Seine besten Auftritte: Im vielschichtigen Beziehungsdrama „Le passé“ glänzte er neben Bérénice Bejo, in der Familientragödie „Unsere Kinder“ als gegängelter Vater, im Organspende-Meisterwerk „Die Lebenden reparieren“ als Arzt. Serienfans feierten ihn unterdessen im 9/11-Politthriller „The Looming Tower“ (Amazon Prime).
  • Flops gab’s auch: Über die Sozialschmonzette „The Kindness of Strangers“ etwa, mit der Dieter Kosslick 2019 seine letzte Berlinale eröffnen zu müssen meinte, würde Rahim vermutlich gerne selbst den Mantel des Vergessens werfen.
  • Aufschlag in Hollywood: Neben Jodie Foster und Benedict Cumberbatch spielte der 39-Jährige jüngst in „Der Mauritanier“ einen Guantanamo-Häftling unter Terrorverdacht. Die Intensität, die Rahim in diese Rolle legt, ist das definitiv Beste an diesem ansonsten arg konventionellen Gerichtsdrama. Gerechterweise gab es auch nur für ihn selbst eine Golden-Globe–Nominierung – weitere US-Rollen dürften nun fraglos folgen. In Deutschland soll der Film Ende Juni in den Kinos starten.
  • Und „Die Schlange“? In der Netflix-Krimiserie spielt Rahim den Serienmörder Charles Sobhraj, der im Bangkok der Siebziger verstrahlte Touristen auf dem Hippie Trail ausraubt und umbringt, am Ende aber von einem niederländischen Diplomaten gefasst wird. Der von der BBC co-produzierte Achtteiler über einen echten Fall ist etwas ungelenk erzählt und bildet sich ein wenig zu viel ein auf seinen ausgestellten Seventies-Chic mit Fernost-Exotik – doch Rahim als gestriegelter Hochstapler in Luxushemden macht mal wieder echt was her.
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