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„Maixabel – Eine Geschichte von Liebe, Zorn und Hoffnung“: Herausragendes politisches Drama

Der schwierige Weg zur Versöhnung

Die Witwe eines ETA-Opfers trifft sich zehn Jahre nach dem Mord an ihrem Mann mit einem der Mörder und geht mit ihm den Weg der Versöhnung. Herausragendes menschliches und politisches Drama, kraftvoll von Regisseurin Iciar Bollain inszeniert und hervorragend gespielt.

Von Hans Gerhold

Juans Witwe Maixabel Lasa (Blanca Portillo) hat den Mut zu unerhörten Begegnungen. Foto: David Herranz

Die ehemalige spanische Schauspielerin Iciar Bollaín ist mit „Öffne meine Augen“, „Und dann der Regen“ und „Der Olivenbaum“ zu einer der wichtigsten Regisseurinnen ihrer Heimat geworden. Mit dem berührenden politischen und menschlichen Drama „Maixabel – Eine Geschichte von Liebe, Zorn und Vergebung“, einer wahren Geschichte, verbindet sie persönliche Entscheidungen einer Frau und eines Mannes mit dem Ende der ETA, der baskischen Separatisten- und Terrororganisation.

Der sozialistische Lokalpolitiker und Zivilgouverneur der Provinz Gipuzkoa, Juan Maria Jauregui, der keine Leibwächter will, wird 2000 im Casino seiner Heimatstadt Tolosa von zwei Männern der ETA, auf deren Todesliste er steht, erschossen. Die Mörder wandern ins Gefängnis, haben 39 Jahre zu erwarten. Zehn Jahre später arbeitet Juans Witwe Maixabel Lasa (Blanca Portillo) mit einer Organisation für Opfer der ETA, die sich 2011 auflöste.

Über die junge Mediatorin Maria (Maria Jauregui) kommt es zu einem im Land unerhörten Treffen. Maixabel entscheidet sich als erste Witwe eines ETA-Opfers, die Täter im Gefängnis zu besuchen, und beginnt einen Dialog mit Ibon (Luis Tosar, „Und dann der Regen“). Maixabels Mut führt überall zu Unverständnis, auch ihre Tochter lehnt das ab. Die streng geheimen Treffen enden damit, dass sie Ibon zur jährlichen Gedächtnisfeier für ihren Mann mitnimmt.

Iciar Bollain hat für die Szene die realen Freunde von Juan und Maixabel als Statisten engagiert. So verbinden sich Fiktion und Realität zu hochemotionaler Wirkung und zeigen, wie schmerzhaft und notwendig Wege zu Frieden und Versöhnung sind. Für das kraftvolle, bewegende, darstellerisch hervorragende Drama, das in Spanien Vergessenes wieder öffentlich machte und teils wie eine Katharsis wirkte, gab es zahlreiche Auszeichnungen, darunter drei Goyas. Herausragend.

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