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Die es auszusprechen wagten

„She Said”: Maria Schraders Recherchedrama über den Weinstein-Skandal

Fünf Jahre nach dem legendären New-York-Times-Artikel, der Harvey Weinsteins sexuelle Übergriffe publik machte und die #metoo-Welle auslöste, legt die deutsche Schauspielerin Maria Schrader, die längst auch eine preisgekrönte Regisseurin ist, einen Film über die Recherchen vor. Carey Mulligan und Zoe Kazan spielen die beiden Reporterinnen, die dem Skandal auf die Spur kommen.

Von Gian-Philip Andreas

Der Anfang von #metoo. In den Redaktionsstuben der New York Times kommen Megan Twohey (Carey Mulligan, l.) und Jodi Kantor (Zoe Kazan) Ungeheuerlichem auf die Spur. Foto: epd

Gut fünf Jahre ist es jetzt her, seit ein Artikel in der „New York Times“ eine Bombe platzen ließ, die nicht nur die Filmbranche aufschreckte, sondern eine weltweite Bewegung lostrat: #metoo. Gegenstand des Investigativreports der Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey waren die Taten des einflussreichen Filmproduzenten Harvey Weinstein, der ihm untergebene Frauen – Schauspielerinnen ebenso wie Mitarbeiterinnen – über Jahrzehnte hinweg sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt hatte.

Weinstein sitzt mittlerweile im Gefängnis und steht zum Glück nicht im Mittelpunkt dieses Films. In „She Said“ geht es, der Titel deutet es an, vielmehr um das, was seine Opfer mitzuteilen haben, und darum, wie Kantor und Twohey beharrlich versuchten, einige von ihnen dazu zu bringen, über Weinstein auszupacken. Im Stil klassischer Recherchethriller wie „Die Unbestechlichen“ zeichnet Maria Schrader (die sich in den USA mit der Netflix-Serie „Unorthodox“ als Regisseurin etablieren konnte) den Gang der journalistischen Ermittlungen nach, das Schweigekartell rund um den unantastbaren Mogul, seine aggressive juristische Gegenwehr. Doch vor allem kommen die Frauen zu Wort. Sie berichten von Scham und Schock und vom Ausgeliefertsein an einen Machtmenschen, der Karrieren quasi per Knopfdruck beenden konnte.

Carey Mulligan („Promising Young Woman“) und Zoe Kazan („Ruby Sparks“) spielen das Investigativduo, auf dessen Buch der Film basiert, so engagiert wie nötig und so wenig pathetisch wie möglich, auch die Inszenierung driftet selten ins Predigthafte ab. Da das Ergebnis bekannt ist, muss Schrader gar nicht auf die künstliche Spannungstube drücken – die Berichte der Interviewten, darunter die Schauspielerin Ashley Judd, die sich im Film selbst „spielt“, sind erschreckend genug.

Flopp an den US-Kinokassen - trotzdem sehenswert

An den US-Kinokassen ist „She Said“ gefloppt. Seither wird debattiert, ob Filme über Hollywood als zu selbstbezüglich wahrgenommen werden, ob „Problemfilme“ in der Kinoauswertung generell keine Chance mehr haben, oder ob das Publikum eben doch lieber einen Täterfilm gesehen hätte – True-Crime-Serien auf Netflix laufen ja bestens. Aber Schraders Film sollte man sich anschauen. Sehenswert.

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