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„Amsterdam”: Stargespickte Krimikomödie mit eigener Tonlage

Die große Industriellenverschwörung

Christian Bale, Margot Robbie, Taylor Swift, Robert DeNiro und viele andere Stars zieren diesen kühnen Mix aus Historiendrama und Thrillerklamotte – dennoch zählte der Film in den USA zu den größten Kino-Flops dieses Jahres. Dabei testet er unbekümmert neue Wege aus – eine Rarität im Hollywood dieser Tage. Jetzt kann man sich auch in Deutschland ein eigenes Bild machen.

Von Gian-Philip Andreas

Burt (Christian Bale, l.), Valerie (Margot Robbie) und Harold (John David Washington) stecken i Foto: dpa

Manchmal kann auch die größte Starbesetzung nichts ausrichten. Eine prominentere Besetzung als „Amsterdam“ kann ein Film kaum haben, und dennoch erlebte die wilde Mixtur aus Politthriller und Krimikomödie ein Debakel an den US-Kinokasse. 

Das stimmt traurig, schließlich zählt das vom fünffach oscarnominierten Regisseur David O. Russell („American Hustle“) inszenierte Spektakel zu den wenigen Hollywood-Filmen, die kein Sequel, Prequel oder Remake sind.

Im Zentrum steht eine wahre Geschichte, der sogenannte Business Plot von 1933, als eine Riege hochkarätiger Industrieller den damaligen US-Präsidenten Roosevelt gegen einen rechtsextremen Diktator à la Mussolini austauschen wollte. In diese Verschwörung geraten im Film ein Arzt (Christian Bale), ein Anwalt (John David Washington aus „Tenet“) und eine Künstlerin (Margot Robbie) hinein. Das Trio lernt sich im Ersten Weltkrieg kennen, lebt danach ein paar glückliche Jahre lang in Amsterdam, um sich 1933 in New York wiederzufinden.

Mix aus Slapstick und Grusel

Ehe die Hintermänner enttarnt sind, treten diverse Killer und Spione auf und jede Menge Prominente, darunter Anya Taylor-Joy und Rami Malek als dubioses Unternehmerpaar, Zoe Saldaña als Pathologin, Mike Myers als Glasaugenfabrikant sowie Charts-Königin Taylor Swift als Tochter eines ermordeten Senators. Nicht zu vergessen: Robert de Niro als aufrechter Marinegeneral.

Christian Bale (l) als Burt, Margot Robbie als Valerie und John David Washington als Harold in einer Szene des Films «Amsterdam». Foto: picture alliance/dpa/Walt Disney Company | -

Dargeboten wird das alles in einer erfreulich ungewöhnlichen, wenn auch nicht ganz aufgehenden Stil-Mischung mit Hang zur Übertreibung. Dass das US-Publikum damit so wenig anfangen konnte, überrascht, denn das karikatureske Spiel von Bale ist kaum überzogener als etwa das von Kenneth Branagh in seinen Poirot-Possen, und der wirre Mix aus Slapstick und Gruselabgrund spiegelt trefflich unsere Gegenwart im Gestrigen.

Eher scheint es, als könne das große Publikum nicht mehr umgehen mit diesen Uneindeutigkeiten. Es muss eine schnurrige Krimikomödie sein, ein Thriller oder gravitätisches Schauspielerkino, aber nicht alles zusammen. Das ist einerseits schade, andererseits fällt es aber schwer, „Amsterdam” uneingeschränkt zu empfehlen, denn so richtig verquer wird es eben auch nicht. Am Ende der leider auch etwas schleppenden 134 Minuten bleibt man daher ratlos zurück: ein mit Stars vollgestopftes Hollywood-Unikat, aus dem man nie so richtig schlau wird.

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