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„Top Gun: Maverick”: Späte Fortsetzung des Achtzigerjahre-Kultfilms mit furiosen Actionszenen

Die Rückkehr des tollkühnen Fliegers

Mit 59 Jahren macht sich Tom Cruise einen Spaß daraus, die Rolle wiederaufzunehmen, die ihn Mitte der Achtziger zum Weltstar machte. Flieger-Ass Maverick muss diesmal als Lehrer eine neue Generation furchtloser Jungpiloten trainieren und auf eine halsbrecherische Mission vorbereiten: eine Uranaufbereitungsanlage in Feindesland kaputtzubomben. Das Sequel ist nur wenig tumber als das Original, die Actionszenen aber reißen’s raus: Die sind wirklich spektakulär.

Von Gian-Philip Andreas und

Maverick (Tom Cruise) bereitet sich schon auf den nächsten spektakulären Flug vor. Foto: Paramount

Wenn es einen Film gibt, der das US-Actionkino der Ronald-Reagan-Jahre auf den Punkt bringt, dann ist es „Top Gun“. Tony Scotts Kassenknüller von 1986 bot simples Gut-Böse-Melodrama mit wilden Draufgängern, tragischen Verlusten und Rivalitäten. Die Helden waren weiß, Frauen vor allem als Deko da, und die stylishe Sonnenuntergangsoptik warb unverhohlen für die Navy: Wer den Mehrdeutigkeiten und Diversitäten heutiger Hollywoodfilme regressiv entfliehen möchte, kramt den hurrapatriotischen Film, der den damals 24-jährigen Tom Cruise zum Star machte, auch heute noch gern hervor.

Seit 2010 gab es Pläne für eine späte Fortsetzung, und nach diversen Umbesetzungen auf den Autoren- und Regiepositionen sowie diversen Corona-Verzögerungen kommt der schon 2019 gedrehte Film nun endlich ins Kino – und dort sollte man ihn auch unbedingt sehen, denn die Flugszenen, die in echten Jets gedreht wurden, sind mit ihren halsbrecherischen Manövern wirklich so atemberaubend geraten, dass es das Publikum auch ohne zubuchbare Rüttelsitze förmlich in die Lehnen presst. Kinetisches Vergnügen in Reinkultur – kein Heimkino kann das toppen.

Dafür kann man sogar den Plot aussitzen, der erwartungsgemäß kaum komplexer ausgefallen ist als im Original. Aus Maverick, dem tollkühnen Flieger von einst, ist kein ehrwürdiger Admiral geworden, sondern ein auf die Sechzig zugehender Testpilot und Fluglehrer, der anfangs dazu verdonnert wird, in seiner ehemaligen Ausbildungsstätte, der Elite-Jagdflugschule namens Top Gun, einen Haufen junger und diesmal nicht nur männlicher Piloten auszubilden und auf den Ernstfall vorzubereiten: Ein nicht namentlich genannter Schurkenstaat reichert Uran an, die Flieger sollen die Anlage zielgenau zerstören.

Über die völkerrechtlichen Implikationen dieser Operation sollte man besser ebenso wenig nachdenken wie über die halbgar ins Drehbuch geschriebene Romanze Mavericks mit einer Barbesitzerin (Jennifer Connelly) oder die Flugschülerrivalitäten, die die Konstellationen von damals mehr oder weniger kopieren. Rührend ist der Auftritt des schwer kranken Val Kilmer, der hier noch mal Mavericks alten Rivalen Iceman spielt.

Doch der wahre Grund, sich all das anzuschauen, ist, wie erwähnt, die Action. Regisseur Joseph Kosinski (der mit Tom Cruise bereits „Oblivion“ drehte) inszeniert sie mit bemerkenswerter Übersicht und selig machender Wucht. Sehenswert.

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