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„Massive Talent”: Nicolas Cage spielt sich in dieser Actionposse selbst

Die Selbstironie des gefallenen Stars

Längst war Nicolas Cage – einst Oscarpreisträger und Kassenmagnet – zum Gespött der Branche geworden. Um seine Millionenschulden abbezahlen zu können, drehte er jede Menge B-Film-Schrott. Inzwischen ist er auf dem Weg zurück zum Kultstar – und diese unterhaltsame Actionklamotte, in der Cage sich selbst verkörpert, ist die ideale Spielwiese für einen Mimen, der längst aufgehört hat, sich allzu ernst zu nehmen.

Von Gian-Philip Andreas

Der Ex-Star (Nicolas Cage) erlebt Überraschungen beim Engagement auf Mallorca. Foto: Katalin Vermes

Nicolas Cage zählt zu den Hollywood-Stars mit der seltsamsten Biografie: Der früh berühmt gewordene Neffe von Francis Ford Coppola spielte in zahlreichen auch heute noch sehenswerten Filmen aller Genres, mauserte sich nach seinem Oscar für „Leaving Las Vegas“ (1995) kurzzeitig zum Actionhelden, ehe er dann, privat hoch verschuldet, zwei Jahrzehnte lang abstrusen Direct-to-Video-Trash drehen musste, um sein Konto wieder zu füllen. Und in den letzten Jahren wurde er, mit Filmen wie „Mandy“ oder „Pig“, zum unerwarteten Liebling aller Cinephilen – kein Wunder also, dass die Zeit jetzt reif ist für eine selbstironische Actionkomödie, in der Nicolas Cage sich selbst spielt. Mehr oder weniger.

Cage ist hier ein abgehalfterter Ex-Star mit desolater Familiensituation, der sich aus finanzieller Not heraus bereit erklärt, gegen ein hübsches Sümmchen auf der Geburtstagsparty eines steinreichen Spaniers aufzutreten. Kaum auf dem Anwesen auf Mallorca eingetroffen, erfährt er von der CIA, dass es sich bei dem charmanten, wenn auch etwas aufdringlichen Javi („The Mandalorian“ Pedro Pascal) um einen Waffenhändler handeln soll, der obendrein eine Politikertochter entführt hat. Auf Drängen der Agenten lässt sich Cage auf Javis Angebot ein, einen gemeinsamen Film zu drehen …

Die Spionagestory, die sich Regisseur Tom Gormican („Für immer Single?“) da ausgedacht hat, ist vor allem eines: herzlich egal. Was aber nicht so schlimm ist. Denn sein Film lebt vom Ritt über sämtliche verfügbaren Meta-Ebenen, den Hauptdarsteller Cage hier lustvoll vollzieht. Im Vorbeigehen werden allerlei Cage-Filme von „Face/Off“ bis „Con Air“ anzitiert, Neil Patrick Harris spielt seinen windigen Agenten, und in besonders irren Momenten begibt sich Cage, zeitlebens kritisiert für sein ou­trierendes Schauspiel, auch noch ins Zwiegespräch mit seinem jüngeren, arroganten Ich. Für Cage-Fans ist das ein echtes Hochamt, alle anderen sehen eine Standard-Actionklamotte mit ironischen Schlaglichtern auf den Drahtseilakt des Star-Seins.

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