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„Die Täuschung“: Fintenreiches Kriegs- und Spionagedrama

Die verlegte Invasion

Um von der Invasion der Alliierten auf Sizilien abzulenken, startet die britische Spionageabwehr 1943 eine Aktion, die die Achsenmächte überzeugen soll, das Geschehen finde in Griechenland statt. Fintenreiches, auf Tatsachen basierendes, flüssig inszeniertes und super gespieltes Kriegs- und Spionagedrama.

Von Hans Gerhold

Colin Firth ist der coole Leiter der Operation. Foto: See-Saw-Films

Zu den Tugenden des britischen Films gehören Understatement, Schlagfertigkeit, Boshaftigkeit und Fintenreichtum. Ein Leckerbissen dieser Art spannender und ironischer Erzählkunst ist das auf Tatsachen basierende fintenreiches Kriegs- und Spionagedrama „Die Täuschung“, das 1956 als „Der Mann, den es nie gab“ verfilmt wurde und wegen neuer Fakten wieder auf Kurs geht.

Um von der geplanten Invasion der Alliierten auf Sizilien abzulenken, startet die britische Spionageabwehr 1943 die „Operation Mincemeat“, die die Achsenmächte überzeugen soll, das Geschehen finde in Griechenland statt. Dazu benötigte man einen fiktiven Kurier im Offiziersrang, eine Tasche mit gefälschten Dokumenten und einen Leichnam als Stellvertreter des Kuriers. Wie sich das von der Suche im Telefonbuch über die Behandlung der Leiche eines an Rattengift gestorbenen geisteskranken walisischen Stadtstreichers bis zum Erfolg der Operation entwickelt, ist flüssig und temporeich inszeniert (John Madden), gekonnt montiert, und dazu lockt das super spielende Team (Colin Firth als Leiter der Operation, Kelly McDonald als Assistentin) mit coolen Dialogen („Nur wer vorhat zu ertrinken, schreibt mit wasserdichter Tinte.“).

Schönes Detail: Zu den Schöpfern der verlegten Invasion gehörte ein gewisser Ian Fleming (Johnny Flynn), dessen literarische Erfindung James Bond später für weiteren Fintenreichtum sorgte. Sehenswert.

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