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„James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben”: Elegischer letzter Auftritt von Daniel Craig als Agent mit Doppelnull

Eher gerührt als geschüttelt

Hurra, der neue Bond ist endlich da! Nach seiner anderthalbjährigen Verschiebung ist das letzte 007-Abenteuer mit dem scheidenden Daniel Craig aber nicht unbedingt ein fröhliches Popcorn-Vergnügen: Trotz gewohnt explosiver Action und einigen gut platzierten Gags präsentiert sich der 25. Bond-Film eher als Liebesdrama – mit konsequentem Finale.

Von Gian-Philip Andreas

Agentin 007 Nomi (Lashana Lynch) kutschiert ihren Vorgänger James Bond (Daniel Craig) durch die Stadt. Als Bösewicht lauert diesmal Rami Malek (kl. Bild). Foto: DANJAQ, LLC AND MGM.

So viel sei gleich verraten: An die Highlights der Craig-Bond-Ära, „Casino Royale” und „Skyfall”, kommt „Keine Zeit zu sterben” nicht heran. Doch stärker als das letzte 007-Abenteuer „Spectre” oder gar „Ein Quantum Trost” ist Daniel Craigs finaler Auftritt als Agent mit der Lizenz zum Töten allemal. Vielleicht sollte man den Film aber eher als eine Art Staffelfinale betrachten, als Abschluss einer fünfteiligen Miniserie, die von Anfang an etwas Neues ausprobierte: die von Ian Fleming 1952 erfundene, als Filmheld ikonisch gewordene Figur psychologisch auszuleuchten.

Der Tod von Vesper Lynd in „Casino Royale”, die schockierenden Enthüllungen aus Bonds Kindheit in „Skyfall” und „Spectre”: 007 hat einiges mitgemacht und seine Traumata von Film zu Film mitgeschleppt. Das war anders als in den unbekümmerten Bond-Filmen von früher, in denen jedes tragische Ereignis in der nächsten Filmfolge vergessen war.

Im offiziell 25. Abenteuer ist sowieso vieles anders. Zum Beispiel ist James Bond nicht mehr 007: Während er seinen Ruhestand auf Jamaika verbringt, hat der britische Geheimdienst MI6 die legendäre Dienstnummer neu vergeben – an die taffe Agentin Nomi (Lashana Lynch). Die neue 007 und Bonds alter CIA-Freund Felix Leiter (Jeffrey Wright) können aber trotzdem nicht ohne ihn: Beide wollen ihn zurück ins Geschäft holen, nachdem die Terrororganisation Spectre einen Wissenschaftler (David Dencik) entführt hat, der an virenkleinen Nanorobotern forscht, die sich auf menschliche Ziele programmieren lassen.

Dass diese Massenvernichtungswaffe im Auftrag von MI6-Chef M (Ralph Fiennes) entwickelt wurden, passt in die düster-ambivalente Stimmung des neuen Films. Der Titelheld, meilenweit entfernt vom smarten Aufreißertyp vergangener Dekaden (von Regisseur Cary Fukunaga unlängst als „im Grunde ein Vergewaltiger” bezeichnet), wirkt ausgelaugt und ganz auf sein fragiles Glück mit Psychiaterin Madeleine Swann (wieder dabei: Léa Seydoux) konzentriert. Ja, „Keine Zeit zu sterben” ist vor allem ein hochdramatischer Liebesfilm, da kann auch Rami Malek („Bohemian Rhapsody”) als karikaturesk angelegtes Schurken-Mastermind Lyutsifer Safin, mit eigener Festungsinsel und Vorliebe für japanische No-Masken, nicht gegen angruseln.

Fukunaga („True Detective”) inszeniert einige brillante Actionsequenzen, wobei bereits die Verfolgungsjagd durchs italienische Matera zu Beginn die weitaus beste ist. Die Stammfiguren Q (Ben Whishaw) und Moneypenny (Naomie Harris) werden minimal weiterentwickelt, Blofeld (Christoph Waltz) bekommt einen Hannibal-Lecter-artigen letzten Auftritt im Knast, das absolute Highlight aber ist Ana de Armas, die mit Craig schon in „Knives Out” bestens harmonierte und hier als kubanische CIA-Agentin Paloma eine furiose und witzige Actionnummer hinlegt – dann aber leider aus dem Film verschwindet.

Klar ausgelegt ist hier alles auf Craigs Exit am Ende: Das Finale schreibt definitiv Bond-Geschichte, und es wird interessant sein zu sehen, wie es danach weitergehen kann. Im Abspann steht jedenfalls wie stets: „James Bond will return.” Sehenswert.

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