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„Operation Fortune”: Guy Ritchies neuer Streich ist ein routinierter Agentenspaß

Ein Bondchen für zwischendurch

Orson Fortune ist nicht James Bond, aber ein akzeptabler Vertreter für zwischendurch. In Guy Ritchies Agentenkomödie spielt Jason Statham einen Prahlhans-Spion der Luxusklasse, der mit einem wild gemischten Team gegen Terroristen und einen milliardenschweren Waffenhändler antritt. Den spielt Hugh Grant so herrlich ölig, dass man den Null-Plot darüber fast vergisst.

Gian-Philip Andreas

Möchte stets nur in den nobelsten Hotelzimmern untergebracht werden: Luxus-Agent Orson Fortune (Jason Sta­tham). Foto: Leonine/dpa

Der neue Film von Guy Ritchie ist schon lange fertig und hätte eigentlich im letzten Februar starten sollen. Doch weil die tumben Schergen des Bösewichts aus der Ukraine kommen, wurde das Spionageabenteuer wieder von den Startplänen genommen – auf die es in den USA auch nicht mehr zurückkehren soll.

Bei uns kommt „Operation Fortune“ nun trotzdem noch in die Kinos, es ist ein solides, wenn auch weitgehend überraschungsfrei gebautes und, gemessen am bisherigen Werk des britischen Rabatzregisseurs, erstaunlich geradlinig inszeniertes Actionspäßchen. Ritchie verlässt sich dabei ganz auf die Strahlkraft seines Ensembles aus lauter Stammkräften: Jason Statham, den er einst in seinem Durchbruchsfilm „Bube, Dame, König, Gras“ bekannt machte, macht natürlich mit, auch Hugh Grant und Rapper Bugzy Malone, die in „The Gentlemen“ dabei waren, oder Ex-Jungstar Josh Hartnett, der jüngst in „Cash Truck“ neben Statham spielte. Mit routinierter Lässigkeit witzeln sie sich durch einen Agentenplot vom Discounter.

Nachdem eine mysteriöse Massenvernichtungswaffe geraubt wurde, rekrutiert der britische Geheimdienst den arroganten Elite-Agenten Fortune (Statham) und sein Team. Um Waffenhändler-Milliardär Simmonds (Grant) dranzukriegen, zwangsengagieren sie Hollywood-Star Danny Francesco (Hartnett), dessen größter Fan Simmonds ist. Während sich daraus allerlei erwartbare Verwicklungen ergeben, schickt der Film alle Beteiligten 007-mäßig quer über den Erdball – bis nach Katar, das hier so hochglanztouristisch in Szene gesetzt wird, dass selbst Gianni Infantino neidisch werden dürfte.

Der versierte Praktiker Ritchie baut ein paar sehenswert handgemachte Actionszenen, die sich wohltuend vom digitalen Einerlei abheben, doch bei den Gags schwächelt er. Zwei Trümpfe bleiben: die begnadete Komikerin Aubrey Plaza (Golden-Globe-nominiert für „The White Lotus“) als trockenhumorige IT-Spezialistin und Hugh Grant als begnadet schmieriger Nobel-Fiesling. Schon bald wird vieles an diesem Film vergessen sein – diese beiden sicher nicht.

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