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„Red Rocket“: Kuriose Dramödie aus der US-Provinz

Ein charmanter Verlierer

Sean Baker, der im oscarnominierten „The Florida Project” zuletzt mit Willem Dafoe als Hausmeister von armen Leuten im Umkreis von Disneyworld erzählte, schickt diesmal einen Pornodarsteller zurück in seine ländliche Heimat in Texas. Dort hat niemand auf ihn gewartet – und dennoch hat diese sonderbare Mixtur aus Abgehängtenporträt und Scharlatan-Komödie noch Platz für eine unwahrscheinliche Liebesgeschichte.

Von Gian-Philip Andreas

Der abgehalfterte Pornostar Mikey (Simon Rex) kehrt ins ländliche Texas zurück. Foto: Red Rocket Productions

Sean Baker hat sich spätestens mit dem großartigen „The Florida Project“ als einer der spannendsten US-Regisseure profiliert – in der Tradition der Neorealisten Pasolini und Rossellini nimmt er die Erniedrigten und Beleidigten, die Armen und Abgehängten in den Blick, arbeitet dabei meist mit Laien zusammen, ohne dabei auf Kernelemente des US-Kinos zu verzichten: Unterhaltsamkeit und stylisher Look.

Auch für seinen neuen Film regnete es schon Festivalpreise. In einer kuriosen Mischung aus Schelmenkomödie und Prekariatsdrama erzählt er von dem abgehalfterten und rücksichtlosen Pornostar Mikey (Darsteller Simon Rex war schon MTV-Moderator und Rapper), der mittellos aus Los Angeles in seine Heimatstadt im ländlichen Texas zurückkehrt und sich bei seiner Ex einnistet. Mikey jobbt als Drogendealer und bandelt mit einer 17-Jährigen an.

Dass man nie die Sympathie für diesen komplett moralbefreiten Filou verliert und sich gern mitnehmen lässt in diesen zersiedelten, längst gegen die Wohlstandswand gefahrenen Landstrich, ist das große Kunststück sowohl des Darstellers Rex als auch der unverkrampften Regie Bakers. Ungewöhnliche, unbequeme und amüsante US-Filme wie diesen gibt es kaum noch im Kino, also: Chance nutzen! Sehenswert.

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