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Ein erbeutetes Baguette und Blutgewitter in Bildern

„Im Westen nichts Neues“: Freie Neuverfilmung des Kriegsfilmklassikers

Die freie Neuverfilmung des nach dem Roman von Erich Maria Remarque entstandenen Kriegsfilmfilmklassikers von 1930 schildert wie die Vorgänger das Grauen des Ersten Weltkriegs und gefällt sich in Szenen brutaler Gewalttätigkeit und Blutgewittern, ohne der Botschaft von der Sinnlosigkeit des Krieges Neues hinzuzufügen.

Von Hans Gerhold

Die Sturmläufe der Soldaten wurden mit Handkamera gefilmt. Foto: Netflix

Mit den Millionen von Netflix im Rücken lassen sich zwar Großproduktionen stemmen, besser als ihre Vorgänger sind sie aber nicht. Im Fall der freien Neuverfilmung des Romans „Im Westen nichts Neues“ (1929) von Erich Maria Remarque durch Regisseur Edward Berger bleibt Unbehagen zurück, das nicht von der Botschaft der Sinnlosigkeit von Kriegen herrührt, sondern von der kolossalen Gewalttätigkeit der inszenierten Blutgewitter.

Netflix' Oscar-Kandidat zeigt Gemetzel in Großaufnahme

Als Abiturient Paul Bäumer (Felix Kammerer) 1917 mit Hurra-Patriotismus im Rücken an die Front zieht, erlebt er die Schrecken des Stellungskrieges mit aller Brutalität und Härte, vom Zertrümmern von Schädeln mit Klappspaten und Stahlhelm bis zum Sturmlauf mit gezücktem Bajonett. All diese Filmszenen wurden mit Handkamera eingefangen, sodass es aus dem Geschehen kein Entkommen gibt. Anders ausgedrückt: Großaufnahmen von Gemetzeln bieten keine neuen Bilder und Erkenntnisse, sondern gefallen sich in Gewalt und Grauen.

Die erfundenen historischen Szenen um Friedensverhandlungen sind platte Dialoge mit Daniel Brühl als Matthias Erzberger. Dafür wurde die Ausbildung der Soldaten ausgelassen. Moderner ist das nicht, aber der Erste Weltkrieg ist „in“ (wie „1917“ zeigt), da steht Netflix nicht zurück und hat die deutsche Kandidatur für den Oscar im Sturmgepäck.

Die erste US-Version (1930, Oscar für Film und Regie) zählt zu den 100 besten Filmen der US-Filmgeschichte, die zweite von Delbert Mann (1979, Golden Globe als bester TV-Film) schlägt sich ehrenhaft mit Ernest Borgnine. Gut bei Berger sind Szenen vom Kreislauf einer Uniform und vom Hunger der Soldaten, die im Sturmlauf innehalten, um ein erbeutetes Baguette zu kauen. Sonst gibt es nichts, was die Vorgänger nicht besser konnten.

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