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„Heinrich Vogeler – Aus dem Leben eines Träumers“: Informatives Lebensbild

Ein Maler und Denker zwischen den Welten

In einer Mischung aus Spielszenen, Kommentaren, Interviews und dokumentarischem Material wird das Leben des Künstlers Heinrich Vogeler (1872 – 1942) nachgezeichnet., wobei viele kaum bekannte Stationen Revue passieren. Überzeugend Florian Lukas als Denker zwischen allen Welten.

Von Hans Gerhold

Heinrich Vogeler (Florian Lukas) Foto: Benjamin Eichler

Wer Heinrich Vogeler (1872 – 1942) nur mit der Künstlerkolonie Worpswede in Verbindung bringt, an deren Rand er auf dem geerbten Barkenhoff (Birkenhof) lebte, es zum Domizil und Treffpunkt von Künstlern machte, denen er großzügig Haus, Hof und Frau bot, hat Entscheidendes versäumt. Der „Märchenprinz von Worpswede“, der sich mit erdiger Hände Arbeit eine Traumwelt erschuf, an der Künstler-Parasiten teilhatten, hat ein spannendes, pralles Leben geführt.

In einer Mischung aus Spielfilm, Kommentaren, Interviews und dokumentarischem Material versucht Regisseurin Marie Noelle („Marie Curie“), das Leben von Vogeler nachzuvollziehen, der den Ersten Weltkrieg erlebte und die Korruption der Mächtigen anklagte, soziales Engagement praktisch umsetzte und der KPD nahestand, zeitweise in der Psychiatrie landete, den Sozialistischen Künstlerbund mitbegründete, grandiose moderne Komplex-Bilder mit rhythmischen Strukturen malte und im Exil in Kasachstan starb.

In den Spielszenen von „Heinrich Vogeler“ überzeugt Florian Lukas als Künstler und Denker zwischen allen Welten, während „Gast“-Schauspieler wie Anna Maria Mühe (erste Frau Martha), Alice Dwyer (zweite Frau Sonja), Samuel Finzi (Rodin) und Joachim von Bülow (Rilke) Routine-Auftritte absolvieren. Als Interviewpartner kommen Kuratoren, Historiker, Urenkelinnen und Romanautor Klaus Modick (am überzeugendsten) zu Wort.

Noelle gelingen poetische Szenen (im Regen) in schönen norddeutschen Landschaften. Doch der Film leidet an der Überfülle des Materials und hat den ursprünglichen Untertitel „Maler, Genosse, Märtyrer“ zugunsten von „Aus dem Leben eines Träumers“ aufgegeben. Ein informativer Anreiz zur Weiterbeschäftigung mit dem Künstler.

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