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„Call Jane“: Glatter Wohlfühlfilm um ein historisches Frauenkollektiv

Eine Hausfrau emanzipiert sich

Glatter und zwiespältiger Wohlfühlfilm um ein historisches Frauenkollektiv von 1968, das einer von Elizabeth Banks stark gespielten Hausfrau bei ihrer illegalen Abtreibung hilft. Routiniert inszeniert und ein fast reiner Dialogfilm, der die echten Probleme der Frauen zerredet und mit guter Laune zudeckt.

Von Hans Gerhold

Joy (Elizabeth Banks) Foto: Wilson Webb/DCM/dpa

Ins Chicago von 1968 führt das von Phyllis Nagy (Drehbuch zur Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“) inszenierte Drama „Call Jane“, das die Kraft der Frauen feiert und wegen seiner Thematik illegaler Schwangerschaftsabbrüche in den USA ein heute wieder aktuelles Problem in mehreren US-Bundesstaaten aufgreift.

Damals baute das sogenannte Jane Collective ein Netzwerk auf, das Frauen half, trotz strafrechtlichem Verbot Abtreibungen vorzunehmen. Das historische Frauenkollektiv arbeitete bis 1973, als der Oberste Gerichtshof das „Roe versus Wade“-Urteil fällte und Abtreibungen weitgehend legalisierte. Bis dahin hatten „The Janes“ (alle Frauen nennen sich nach außen Jane) über 12 000 Abtreibungen organisiert.

Joy (Elizabeth Banks) hat eine Teenager-Tochter, als die brave Hausfrau unerwartet wieder schwanger wird. Sie stößt nach Gesprächen mit Ärzten in einer klischeehaften Szene im Regen auf ein angeheftetes mysteriöses Papier mit „Call Jane“, das sie zum von Virginia (Sigourney Weaver) geleiteten Frauenkollektiv führt, wo pseudodemokratisch entschieden wird, wem Frau helfen wird.

Der abtreibende Arzt (Corey Michael Smith) erweist sich als geldgieriger und schmieriger Typ, der im Grunde so frauenverachtend ist wie die dargestellten Mediziner und Gutachter, die über Körper von Frauen entscheiden. Darin liegt eins der Grundprobleme des Stoffes, der nicht nur dort vereinfacht, sondern auch in weiteren Klischeeszenen. So sucht Joys Ehemann, der glaubt, sie gehe zum Malkurs, Trost bei der Nachbarin (Kate Mara).

Der bei dem Thema eher unangemessene Wohlfühlfilm ist fast ein purer Dialogfilm, der Frauen feiert und keinen Blick für die wirkliche Not der Frauen hat. Die wird in den Dialogen zerredet. Bis auf Banks, die eine starke Leistung liefert und als Joy ein engagiertes Mitglied der Janes wird, läuft darstellerisch alles routiniert, problemlos und bei guter Laune ab. Zu glatt und letztlich zwiespältig.

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